Archiv ‘Politik’

Mittwoch, 19. September 2007

Sollen die USA den Iran angreifen?

Wieso haben wir in der Schweiz nie solche Diskussionen?! Das wäre wohl das erste erfolgreiche Comedy-Format auf unserem Staatsfernsehen …

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Mittwoch, 19. September 2007

Infrastruktur: Investitionen in Milliardenhöhe?

Gestern durfte ich an den Aufnahmen zu zwei Mini-Sendungen „Entscheidung 07: Parteien zur Wahl“ des Schweizer Fernsehens teilnehmen. Ab dem 24. September werden diese täglich im Zeitslot nach Meteo ausgestrahlt (19.50 – 20.00).

Mangelware Studenten – für Ersatz ist gesorgt

Studenten der Universität Bern waren vor einigen Wochen dazu aufgefordert, an der Veranstaltung teilzunehmen und sich Fragen auszudenken. Da sich bis letzte Woche nur gerade vier Studenten gemeldet hatten (darunter ich, aber nicht etwa Bernhard Eicher), musste das Fernsehen in einer notfallmässigen Übung bernische BMS-Klassen aufbieten (jedenfalls haben ich mir das mit einem ebenfalls anwesenden Kommilitonen so zusammengereimt). Dadurch war das Publikum heterogener zusammengesetzt, was ich nur begrüssen konnte. Unter anderem als Dank für den spontenen Einsatz durften pro Sendung zwei BMSler „Fragen“ stellen.

Heimelige Atmosphäre

Nun, die Fragen (und Antworten) werde ich nicht verraten. Die beiden Sendungen mit meiner (unsichtbaren?) Präsenz werden am 27. September 2007 (CSP mit Monika Bloch Süss) und am 2. Oktober 2007 (Grüne mit Ruth Genner) ausgestrahlt.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich unter den anwesenden Parteigängern unwohl gefühlt hätte …

Opfer der Sendezeit

Wir Studenten kamen bei der Fragerei nicht zum Zuge. Wieso auch? Meine Frage hatte ich für einen Studenten üblich 24 Stunden zu spät eingereicht. Rückblickend war sie auch viel zu ausführlich – was könnte man in weniger als zehn Minuten Sendezeit auch Kritisches aus den ParteipräsidentInnen herauskitzeln? Einzeiler waren gefragt mit Themen, die die Jugend bewegt. Leider war uns das vorgängig nicht gesagt worden – auch war ich bis Ende letzter Woche der Meinung, dass wir an einer Elefantenrunde teilnehmen würden.

Nach dem Abfilmen lässt sich klar sagen: Die Sendung wird daher als seichtes Infotainment daherkommen, aber das passt ja mehr denn je zum diesjährigen Wahlkampf.

Dann halt hier …

Doch da es heutzutage glücklicherweise Blogs gibt, kann ich ja meine „Frage“ (es ist eher eine Feststellung, die ich auch mit Blick auf eine Publikation im Blog geschrieben habe) hier äussern:

USA: Am 1. August 2007 stürzte in Minneapolis (Minnesota, USA) eine den Mississippi querende Autobahnbrücke ein und forderte 13 Todesopfer. Obwohl die Untersuchungen über die Ursache des Einsturzes noch nicht vorliegen, gehen Experten davon aus, dass das Unglück auf die Vernachlässigung des Unterhalts zurückzuführen ist – massgeblich bestimmt durch den prekären Finanzhaushalt des Staates und die Sparbemühungen der Regierungspartei.

Schweiz: Bei den heftigen Regenfällen vom 8. August 2007 wurde das Bahntrasse zwischen Flamatt und Schmitten im Kanton Fribourg unterspült. Während mehrerer Woche verkehrten deshalb keine Züge mehr auf der Strecke Bern-Fribourg.

Die beiden Ereignisse zeigen zwei bedenkliche Entwicklungen auf, die sich im nächsten Jahrzehnt gegenseitig verstärken könnten:

  • Durch die ausgedehnten Sparübungen der letzten Jahre besteht zu befürchten, dass man wichtige Erneuerungsarbeiten an der alternden Infrastruktur aufgeschoben hat. Dies ist nicht nur in den USA der Fall, sondern höchst wahrscheinlich auch in der Schweiz
  • Durch den Klimawandel bedingt wird es in Zukunft vermehrt zu Witterungsextremen wie Starkniederschlägen kommen. Zusätzlich neben altersbedingten Schwächen genügen deshalb viele Bauten wohl bald auch der seinerzeit berechneten Maximalbelastung nicht mehr. Vgl. auch SonntagsZeitung, 26. August 2007, „Wasserschutzbauten genügen nicht mehr“, S. 9:

    Hans-Peter Willi vom Bafu: „Die den Schutzbauten zu Grunde gelegten Bemessungswerte für die Abflusskapazitäten sind häufig zu tief.“ […] Wegen der gehäuften Grossereignisse müsse man die Bemessungsgrundlagen für die so genannten Jahrunderthochwasser überprüfen und anpassen.

Als Beispiel sei der Hagneck-Kanal genannt, dessen Dämme im August ab den enormen Wassermassen zu bersten drohten. Der Jahrzehnte alte Kanal ist zwar renovationsbedürftig, wäre aber so oder so nicht für solche Wassermassen ausgelegt. Während am Bielersee der Ernstfall glücklicherweise nicht eintrat, hat sich in meinem Wohnort, Neuenegg im Kanton Bern, gezeigt, dass Röhren für unterirdische Bachläufe nicht genügend gross dimensioniert wurden, um die Wassermassen ohne Beeinträchtigung der Siedlungen abzuführen. Als Folge davon wurden Keller und Tiefgaragen geflutet – einige gleich drei Mal in diesem Sommer.

Als Folge davon sehe ich in den kommenden Jahren Kosten in unerwarteter Höhe auf Bund, Kantone und Gemeinden zukommen. Dies entweder, indem man die Infrastruktur zügig erneuert und den neuen Gegebenheiten anpasst. Oder aber indem man mögliche Katastrophen und deren enormen Schadenssummen in Kauf nimmt.

Solche Ereignisse können mittels Reduktion des CO2-Ausstosses und anderen Vorkehrungen kaum mehr verhindert werden, da diese Massnahmen erst langfristige Wirkung zeigen. Die Politik täte gut daran, sich hier und jetzt mit den bedrohlichen Szenarien auseinanderzusetzen und sich der Gefahren für das ganze Land bewusst zu werden.

Frage: Wie stehen die anwesenden Parteien solchen Befürchtungen gegenüber?

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Mittwoch, 19. September 2007

Themenführerschaft

„Es ist wie in der Parteienpolitik. Wenn sich eine Partei mit einem Thema auseinandersetzt, bevoer es alle anderen tun, hat sid ei Lufthoheit. Sie kann Positionen besetzen und Definitionen erzwingen. Die anderen können immer nur reagieren. Sei sind dann immer einen Schritt zu spät. Die anderen“, sagt er und nippt am Bier, „das sind wir Männer“

Quelle: NZZaS, 20. Mai 2007, „Der Mann ohne Eigenschaften“, S. 78.

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Mittwoch, 19. September 2007

Kommentare auf YouTube

Web 2.0 hebt erst mit der Kommentarfunktion so richtig ab – damit kann noch jede so abstruse Behauptung innert Minuten von Mitlesern demontiert werden. Aber nur, wenn die Leute beim Kommentieren nicht Urinstinkten folgen und sich gegenseitig niedermachen:

Erinnert mich irgendwie an den diesjährigen Wahlkampf in der Schweiz …

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Dienstag, 18. September 2007

Crédit Suisse ohne SP-Nationalratskandidat

Schon komisch – auch wenn ich nicht gerade Herscharen von SPlern in den Reihen meiner Hausbank erwartet habe, mindestens einer hätte es schon sein können:

  • SVP: 6
  • FDP: 4
  • CVP: 4
  • EVP: 1
  • SP: 0
  • Grüne: 0

Quelle: Von der Bank ins Bundeshaus

Warum nur? Es gibt zwei Erklärungsversuche: Ein Linker heuert (aus welchen Gründen auch immer) nicht bei der Crédit Suisse an (ich höre Smythe schon hervorpoltern, dass Linke ja eh allesamt Staatsangestellte, Studenten oder Lehrer sind). Umkehrschluss: Eine Bank zieht halt einfach bürgerlich-denkende Arbeitnehmer an. Und wenn doch ein ungerades Mal ein Linker in das Finanzunternehmen eintritt, wird dieser innert Jahresfrist zum Bürgerlichen zurecht-sozialisiert. Mehr oder weniger freiwillig – oder möchte sich jemand vorstellen, wie es ist, sich als linker Nationalratskandidat zu outen?

Ceterum censeo …

… und übrigens bin ich der Meinung, dass wir die Leute ernst nehmen sollten, die „statt Harmonisierung Wettbewerb“ fordern. Soll heissen: Schweizer Banken müssen sich dem internationalen Wettbewerb zwischen den Banken stellen und das Bankgeheimnis abschaffen. Es müssen Schutzschilde abgebaut werden, damit der freie Markt diejenigen Banken belohnt, die am wirtschaftlichsten arbeiten, und nicht die, die vom Staat beschützt werden.

(Gerne würde ich zu diesem Punkt die Meinungen der Herren Smythe und Zgräsch hören. Catalina ist selbstverständlich auch willkommen, sich zu meinem Vorschlag zu äussern)

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Freitag, 14. September 2007

Wahlplakate der NSDAP

Im Fernseher in der Stube läuft die 999. Folge der diesjährigen Zirkusshow namens „Wahlkampf 2007“ mit vielen Clowns und unzähligen Affen. Eigentlich wollte ich mich ja bis nach den Wahlen nicht mehr zum Thema äussern, doch als Geschichtsstudent hat man noch einen anderen Zugang zu Politik als der Durchschnittsbürger. Und siehe da, mein Bauchgefühlt hat sich nach einer kurzen Recherche bestätigt:

Im Deutschland der 1930er-Jahre rückten eine einzige Person in den Vordergrund. Gemäss der NSDAP-Propaganda war nur mehr allein Adolf Hitler fähig, das Land vor dem drohenden Untergang zu retten.

Bis vor kurzem war ich der Meinung, dass unser Land unmöglich anfällig auf solche Propaganda werden könnte – seit Anbeginn der Eidgenossenschaft sind wir „ein einig Volk von Schweizern“. Während um uns herum noch Jahrhunderte lang Monarchien herrschten, ging die Macht von den einfachen Leuten aus (jedenfalls so der heute oft kolportierte Irrglaube). Der Mangel eines Monarchen zieht sich bis in die Moderne – wir kennen keinen Staatspräsidenten, sondern nur einen „primus inter pares“. Es ist meiner Meinung nach Urschweizerisch, dass die Macht auf die vielen verschiedenen Interessengruppen verteilt wird und sie niemand für sich alleine vereinnahmen kann.

Schade, dass gerade diejenige Partei mit dieser Tradition bricht, die sich ansonsten immer auf die „Schweizerischen Werte“ beruft.

„Seit vier Jahren ist unser Land zur alten Stärke zurückgekehrt. Seit vier Jahren ist die Schweiz wieder weltweit Spitze, beneidet und bewundert.“

Der Christoph in Bundebern alleine hat es ganz alleine geschafft, die Weltwirtschaft auf Vordermann zu bringen. Sorry, aber wie blöd muss man sein, um ein solchen Mumpiz zu glauben? Just als gegen den Chrigu vom Herrliberg ein Komplott geschmiedet wird, stürzt auch die Börse in den USA ab. Jawohl! Dass dort faule Kredite verteilt wurden, hat nichts zu Sache – einzig und allein die Attacke auf Chrigu. Nämlich! Und wenn Chrigu morgen einen Regentanz aufführt, werden wir am Sonntag die Jahrhundertsintflut erleben. Ehrenwort. Dafür steht der Chrigu mit seinem Namen.

Könnte man nicht ein klein bisschen wenig schon von einem Personenkult um Herrn Blocher sprechen? Nicht? Och neee!

Merkmale von Personenkult können sein:

  • übertrieben devote Haltung aller öffentlich auftretenden Personen zum Führer
  • unkritische Rezeption aller Äußerungen der gehuldigten Person in der Öffentlichkeit
  • Verfolgung kritischer Haltungen gegenüber der gehuldigten Person, teilweise mit Gefahr für Leben und Gesundheit des Kritikers, Verhaftung oder „Verschwindenlassen“ von Regimekritikern
  • übertriebene Präsenz von Bildnissen und Losungen (Huldigungen an diese Person oder Aussprüche derselben), zum Beispiel in Privathäusern, Schulen oder Betrieben, sowie in sämtlichen Medien
  • Benennung von Betrieben, öffentlichen Gebäuden, Schulen, Straßen, Plätzen, Sportstätten, Städten nach dem Führer (zum Beispiel Stalinstadt)
  • Herstellung von (bei kritischer Betrachtung oft absurden) Zusammenhängen zwischen der Person des Führers und sämtlichen Lebensbereichen.

Quelle: Personenkult

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Mittwoch, 12. September 2007

Ortsplanung mit externer Studie

Kirchlindach […] Während SP und FDP die Weitsicht der Entwicklungskommission begrüssten, stiess der Nachkredit bei den Vertretern der SPV auf Widerstand. Besonders kritisiert wurde die externe Ortsplanungsstudie. Diese Aufgabe könnten auch von der Entwicklungskommission und dem Ortsplaner übernommen werden, argumentierte der Präsident der örtlichen SVP, Hansueli Häberli. „Wir haben nicht das Gefühl, es jemanden von aussen braucht.“ Häberli äusserte zudem die Befürchtungen, die Anliegen der Bevölkerung würden nicht berücksichtigt.

Quelle: Der Bund, 12. September 2007, „Kredit für Studie zur Orstplanung bewilligt“, S. 23.

Obwohl man für eine Ortsplanung hehre Ziele vorschiebt, geht es – kurz (und populistisch) zusammengefasst – darum, dass die Politiker gut befreundete Landeigentümer nach Kräften unterstützen (diese Vorbedinung grenzt die parteipolitische Herkunft der kollegialen Politiker arg ein). Seien es solche, die spekulativ Land gekauft und gehortet haben, als auch solche, die das Land seit Generationen besitzen und bewirtschaften (= Bauern).

Sobald die Fläche eingezont (oder umgezont) wird, steigt deren Wert um viele hundert Prozent. Somit ist es (in der Regel) im Interesse jedes Landbesitzers, dass sein Stückchen Land bei einer Ortsplanungsrevision zur Siedlungszone erklärt wird.

Man könnte munkeln, dass in gewissen Gemeinden nicht etwa der Ortsplanungsausschuss nach reiflicher Überlegungen Zonen verteilt, sondern die Landbesitzer gleich selbst …

Die wirklich wichtigen Argumente der Siedlungsplanung sind in solchen Fällen eher nebensächlich – wenn sie sich just decken, ist’s gut, und falls nicht, ist’s ja auch nicht weiter schlimm …

Glücklicherweise muss eine Revision dem Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kanton Bern vorgelegt werden. So können zumindest die gröbsten Ausreisser korrigiert werden, da der Kanton glücklicherweise anders gerichtete Absichten als die Gemeinde hegt. Ein bisschen Abstand zum Schlachtfeld hat noch keinem General geschadet. Der Blickpunkt liegt bei dieser Behörde im Zusammenspiel der längerfristigen Entwicklung innerhalb einer Region – das „Big Picture“ tritt in den Vordergrund.

Ein Vergleich: Man stelle sich vor, ein Kind könnte sich Tag und Nacht in der Süssigkeiten-Abteilung eines Supermarktes herumtreiben. Aus seiner Sicht wäre es nur logisch, sich mit Schoggi und anderen Zucker-Bomben vollzustopfen – schliesslich schmeckt alles unglaublich gut und ist in rauhen Mengen vorhanden. Die Mutter des Kindes denkt aber in einem grösseren Zeitraum als das Kind, erkennt durchaus auch die Gefahren des kurzfristigen Vergnügens (Karies, Fettleibigkeit, Diabetes) und kann mit gezieltem Einsatz das Schlimmste verhindern – was nicht heissen soll, das Schleckereien generell vom Essenstisch gestrichen werden. Beabsichtigt ist eine Mässigung sowie eine Sensibilisierung des Kindes auf die schlecht fassbaren Risiken des Verhaltens – Erziehung eben. Diese Gabe scheint nicht wenigen „erwachsenen“ Ortsplanern zu fehlen …

Dass die Lenkung der Ortsplanung in den letzten Jahren nicht immer gelungen ist, zeigt eine Kritik des Vereins Region Bern:

Der Bevölkerungszuwachs soll zur Hauptsache im inneren, gut erschlossenen Teil der Region ermöglicht werden. Dies entspricht im Agglomerationsporogramm Verkehr + Siedlung dem so genannten Konzentrationsszenario. Die Entwicklung sollte zu mindestens 75% in Gebieten erfolgen, die vom öffentlichen Verkehr gut erschlossen sind (Strukturtyp A). Zu erwähnen ist jedoch, dass die tatsächliche Entwicklung in den Jahren 1996 bis 2004 gerade umgekehrt verlief. In der Gemeinde Bern ging die Wohnbevökerung um 4’300 Personen zurück, sie wuchs aber in den Kerngemeinden um 600 Personen und in den Agglomerationsgemeinden um 3’700 Personen.

Quelle: Regionaler Richtplan Teil 3. Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung. Hochhauskonzept. Mitwirkung.

(Nachtrag: Ein anderer wichtiger Grund, der zu Zersiedelung führt: Die Planer gehen von der irrigen Annahme aus, dass mehr Einwohner auch höhere Steuereinnahmen bedeuten. Da zont man im Notfall auch eine Kuhweide ein, um Neuzuzüger anzulocken. Zweifel an der Überlegung sind angebracht, sind die neuen Wohnungseigentümer doch mit einer Hypothek verschuldet. Auch müssen allfällige Erschliessungskosen der Siedlungen (Kanalisation, Strassen und ÖV) berücksichtigt werden!)

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Montag, 10. September 2007

Akute Polit-Frustration

Dies sind die dritten Nationalratswahlen, die ich als Stimmbürger miterleben darf – und wisst ihr was? Mich k*tzt die ganze Sache mächtig an wie nie zuvor. Mehr als einen Monat muss ich mich in der Stadt durch einen Plakatdschungel schwarzer Schafe, explodierender Atomkraftwerke, Ziegen und Legastheniker-Phrasen („Hop Sviz“) durchkämpfen – um hinter jedem Hausecken dazu noch einen wildgewordenen GPKler, Komplotteur oder Blocher-Abwähler zu wähnen.

Kurz: Ich kann es kaum erwarten, wenn für die nächsten vier Jahre wieder Ruhe einkehrt!

Es kommt noch schlimmer …

Und nun hat mich mein Bruder auch noch auf das umwerfende Zottel-Game der Volkspartei aufmerksam gemacht:

Zottel-Game.ch

Die SVP-Jungs sind komplett übergeschnappt.

In meiner derzeitigen Lethargie ruft dies nur noch ein müdes Lächeln hervor. Die Reizschwelle wurde in den letzten Tagen und Wochen kontinuierlich erhöht, dass mich wohl nicht einmal mehr eine Terror-Attacke aus der Ruhe bringen würde.

Vertrauensverlust in die Politik

Wer auch immer von den vier Clown-Parteien in diesem Affentheater das Rennen machen wird – keine hat den „Sieg“ verdient, keine wird das Land weiterbringen. Wo bleibt die fünfte Kraft? Diese Partei muss wohl erst noch gegründet werden …

Beste Wahlkampfwerbung von …

Für den diesjährigen Wahlkampf ist es anscheinend symptomatisch, dass die beste Wahlwerbung von niemand geringerem als einem Gastronomie-Betrieb stammt:

Via: Vegi Resti Hiltl grillt Zottel

Generation Klingelton zappt weiter

Kein Wunder, dass Jugendliche jegliches Interesse an diesem Theater verloren haben – auf MTV & Co. gibt es Unterhaltung pur. Wer will sich schon Unterhaltung mit einem Mikrogramm Politik (= diesjähriger Wahlkampf) antun, wenn es völlig unbeschwert geht?

«Ähm, kei Ahnig!», Teil II

Dank: Raffi

Nicht alleine in weiter Flur

Es freut mich, dass auch andere, lebenserfahrenere Personen ähnlich denken wie ich:

Und in der Tat: Es ist den Parteien bis jetzt gelungen, den Wahlkampf`07 ohne auch nur ein einziges politisches Thema zu bestreiten. Eine wirklich starke Leistung, das muss man anerkennen.

Quelle: Gigantisches Wahlkomplott

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Mittwoch, 5. September 2007

Blochers kleines Watergate

Nicht schlecht, was sich der rechtsbürgerliche Komplex da wieder einmal leistet. Solche Gspässe gibt es in der Politik wohl jahraus jahrein, in allen Parteien – für einmal kommt alles langsam aber sicher ans Licht. Wahrlich ein filmreifer Stoff. Nicht ganz auf dem Niveau von Oliver Jones JFK, aber für einen gutbürgerlichen Doku-Abend in der Eidgenossenschaft würde der Stoff allemal reichen.

Was ist geschehen?

Gemäss Erkenntnissen der Geschäftsprüfungskommission war Valentin Roschachers Absetzung als Bundesanwalt minutiös und verschwörungsmässig geplant. Ein Schreiben, das nur per Zufall bei einem flüchtenden Schweizer Bankier (Oskar Holenweger) in Deutschland entdeckt wurde, enthält äusserst brisante Informationen:

Dessen Inhalt: „Wer macht wann was und rapportiert an wen?“ Militärstabsmässig schien die ganze Aktion geplant – Ironie des Schicksals, dass das Schriftstück ausgerechnet bei einem guten Kameraden aus Blochers Militärtagen gefunden worden sein soll.

Gleichgeschaltete Medien

In die Aktion involviert scheinen aber auch Journalisten zu sein, die ihre Text-Bomben nicht von ungefähr an bestimmten Daten zündeten. Dass es sich dabei wohl kaum um WOZ-Schreiberlinge gehandelt hat, liegt auf der Hand … Man wird es mir nicht verübeln, wenn ich die Urheber in einem Neubau im zürcherischen Kreis 5 vermute. Dass bei der Weltwoche nicht die vierte Gewalt, sondern eher wie in den guten alten Zeiten der schweizerischen Parteizeitungen politische Agitation im Zentrum steht, wird von Kritikern desöfteren moniert. Mit den Andeutungen der GPK ist ein frisches Kapitel in der Angelegenheit eröffnet worden.

Mensch Christoph!

Da ich Herrn Blocher als unangenehmen, aber äusserst intelligenten Zeitgenossen einschätze, bin ich mir sicher, dass sich kein direkter Link herstellen lässt. Falls schon, dann hat er trotz seiner Erfahrung äusserst dilettantisch gehandelt und wird dementsprechend die Konsequenzen zu tragen haben.

Einem angehenden Historiker wie mir schlägt das Herz höher, wenn der GPK solch blumige Kritik entgegengeschleudert wird wie im folgenden Blog-Artikel:

Das tönt in meinen Ohren nach einer breitangelegten infamen Rufmordkampagne der Linken und der CVP, die zum Ziel hat Bundesrat Blocher auf ähnliche Art wie damals Bundesrätin Kopp loszuwerden.

Bei dieser offensichtlichen Intrige wird offenbar jegliches Mass der Niedertracht und Glaubwürdigkeit überschritten sogar der Zeitpunkt ist absolut passend.

Quelle: Blocher in der Kritik der GPK wegen Rorschacher

Naja – wenn sogar Clinton ein Impeachment überstanden hat, wird wohl auch Blocher im Amt bleiben – falls, ja falls er sich nichts zu Schulden hat kommen lassen.

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Sonntag, 19. August 2007

Junge Säufer sollen zahlen

Besser wäre es, wenn die Eltern die Kosten für den Spitalaufenthalt der jungen Trinker übernehmen müssten. Damit würden sie an ihre Erziehungspflicht erinnert. «Die Rechnung für den Spitalaufenthalt begleichen zu müssen – das ist eine Sprache, die verstanden wird», sagt Bortoluzzi.

Quelle: Junge Trinker sollen Arbeitsdienst leisten

Auf den ersten Blick handelt es sich durchaus um eine praktikable Lösung: Gemäss einer Bekannten, die auf der Notfallstation in Bern arbeitet, kommt es immer wieder vor, dass 15-jährige innert Monatsfrist ein zweites Mal im Spital landen um am nächsten Tag von den Eltern abgeholt werden. Die Erziehungsberechtigten in solchen Fällen, was ihre Zöglinge anstellen – und unternehmen dennoch nichts dagegen? Traurig, aber wahr: (einige) Eltern können in solchen Fällen anscheinend nur noch über das Portemonnaie „erzogen“ werden. Hoffen wir es zumindest!

Ich frage mich dann einfach nur, wann auch an Lungenkrebs erkrankte Raucher oder an Fettleibigkeit leidende Mitbürger plötzlich zur Kasse gebeten werden?

Es sei richtig, bei der Erziehung der Jugendlichen anzusetzen. Aber im Krankenversicherungsgesetz gebe es keine Bestimmung, wonach Selbstverschulden geahndet werde. «Da müssten noch ganz andere Leute zum Arbeitseinsatz antraben», so Dürr.

Nicht, dass ich solche Überlegungen per se abwegig finde – doch welche Krankheiten und Unfälle kann man heute schon nicht auf unüberlegtes Handeln zurückführen? Könnte man mit dieser Logik nicht selbst dem an einem Rückenschaden leidenden Bauarbeiter vorwerfen, doch gefälligst einen neuen Job zu suchen – am Besten in einem Büro?

So sehr die verschuldungsbasierte Versicherung in liberalen Zeiten Anklang findet, desto unpraktikabel würde diese umzusetzen sein: Ein riesiges Heer an Experten, einem politisch-medizinisch-juristischen Komplex gleich, würde über Krankenkassenleistungen entscheiden und müsste in jedem Fall Rekursrecht gewähren. Die Mediziner wiederum müssten Krankheitsbilder einer eindeutigen Ursache zuordnen – ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Einzigen, die von solchen Massnahmen profitieren würden, wären die Juristen respektive deren Bankkonten – ohne Garantie, dass sich mit diesem Schritt die Gesundheit der Wohnbevölkerung merklich verbessern würde.

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