Archiv 11. September 2005

Sonntag, 11. September 2005

Der Osten

Der Osten. Unendliche Weiten … dies sind die Abenteuer – ach egal. Zur Zeit aufgrund der nahenden Abstimmung an meinem Geburtstag hoch im Kurs, wegen der befürchteten Einwandrerschar, die unser Land und unsere Arbeitsplätze unsicher machen soll, glaubt man der rechten Propaganda. „Scheinselbständige“ wird nach den „Scheininvaliden“ zu einem neuen Modewort, schaden aber unserem Staat angeblich aber genauso wie die letztgenannten.

Maschi

Osten bedeutet auch Tschechien. Und von dort kommt Kollege Sedlacek (sorry, keine Homepage – sedlacek.ch wäre übrigens noch frei!), den wir heute mit einem mehr oder wenigen rauschenden Fest verabschiedet haben. Er verlässt uns nämlich für einige Monate gen Madrid, und dies musste gebührend gefeiert werden. Die Party stieg bei Kollege Zgraggen, zu Essen gab’s vom Jubilaren selbst gefertigte Sushis. Wer lieber auf „gekochtes steht“ (Zitat Kollege Wittwer), konnte sich auch am (Tisch-)Grill vergnügen oder schöpfte mit grosser Kelle vom Kartoffelsalat (made by Kollege Zgraggen – mein Zimmer kann zur Zeit nur mit Gasmaske betreten werden, wohl aufgrund der reichlichen Beigabe von Zwiebeln und Knoblauch). Nun gut, wünschen wir ihm also auch hier noch ein beschauliches, abwechslungsreiches Jahr im fernen Madrid. Dass du uns wieder ganz zurück kommst! Ein Ausflug des Expeditionary Corps ist auf jeden Fall schon fast gebucht. Nur über das Datum muss man sich noch einigen. Und dann: Chacare

138km: Bern – Zürich

Der Osten war aber auch Thema auf meiner samstäglichen Fahrt an die Abschiedsparty von Kollege Röthlisberger in Zürich. Der Peugeot war dann nämlich auch Taxi für eine alte Gymer-Kollegin und einen alten Gymer-Kollegen. Sie halbe Slowenin (Scheinslowenin? *hihi*), er ganzer Rumän. Und alle drei zeigen, dass der Osten nicht nur billige Handwerker, sondern auch Hochschul-kompatible Hirnis hervorbringt; das Schweizer Schulsystem also auch gegenüber „Fremden“ durchlässig ist.

Spannend wurde es, als die beiden Mitfahrenden sich über ihre Heimat zu unterhalten begannen und mir doch einige Eigenheiten näherbrachten, die mich staunen liessen. Denn der (europäische) Osten ist hierzulande ja nicht gerade als Tummelfeld für besonders fortschrittliche Staaten berühmt. Doch ich musste mich eines anderen belehren lassen:

My home is my castle

Ein eigenes „Haus“ zu besitzen scheint dort nicht erst seit gestern hoch im Trend zu liegen. Erklärtes Ziel ist es, Wohnungen nicht zu mieten, sondern zu besitzen. „Haus“ ist insofern irreführend, als dass man sich normalerweise eine Blockwohnung kauft und nicht irgendwo ein Häuschen hinpflanzt. Laut Aussage der beiden hat der Grossteil der Bevölkerung ein Haus – in der Mieternation Schweiz unvorstellbar, auch wenn sich die Mentalität auch hierzulande langsam ändert. Hypotheken kennt man in Richtung Sonnenuntergang weniger – wenn man sich ein Häuschen kauft, dann wird bar auf die Hand bezahlt. Das „Haus“ ist nicht nur eine Investition in die Gegenwart, sondern auch in die Zukunft: Ziel ist es nicht zuletzt, den Nachfahren eine Bleibe zu hinterlassen und so den „Reichtum“ in der Familie zu behalten. Damit es Familie gibt, braucht es auch Kinder, womit wir schon bei der nächsten Erkenntnis sind:

Nachwuchs

Erst kürzlich haben wir, das Schweizer Stimmvolk, uns endlich, nach Jahrzehnten von Kuhhandeln, dazu durchringen können, den Mutterschaftsurlaub im Gesetz zu verankern. Seit dem 1. Juli des laufenden Jahres ist die Mutterschaftsversicherung in Kraft getreten. Etwas peinlich kommt dieser Umstand einem dann schon vor, wenn man hört, wie grosszügig solche Regelungen in Slowenien wie auch in Rumänien seit Jahren bekannt sind. Mutterschaftsurlaub in Slowenien: Ein volles Jahr – richtiggehend lächerlich sind da unsere 14 Wochen, denen wir der frischgewordenen Mutter gönnen. Zusätzlich ist es sogar möglich, dass der Vater die Hälfte der Zeit diesen „Urlaub“ in Anspruch nehmen kann und sich so sechs Monate lang um seinen Zögling kümmern kann. Nachtrag: Gemäss der informativen Web-Site (URL siehe im Fazit) ist es so, dass man in Slowenien 6 Wochen vor der Niederkunft frei kriegt und danach sogar bis zu drei Jahren nicht mehr arbeiten gehen muss (?). Ob so lange jemand bezahlt, ist eine andere Frage.

In Rumänien kriegen Mütter mit einer Risikoschwangerschaft weitere zusätzliche Entlastung. Und wenn das Kind denn erst einmal geboren ist, fliesst das Geld erst so richtig: 20 SFr. gibt es pro Monat und Kind.

Einig waren sich die beiden „Ostler“, dass diese Nachwuchsförderung stark von der Sowjetunion beeinflusst war. Doch hier wird wohl kaum jemand eine pöse Absicht vermuten. Manchmal hatten die alten Kommies eben doch ein Löffel Weisheit gefressen.

Netto-Lohn

Das Highlight aber hatte sich Kollege Petrascu für den Schluss aufgehoben: Eine Idee, die mir seit längerem vorschwebt, ist in Rumänien längstens Gang und Gäbe. Den Netto-Lohn, den man Ende Monat auf das Konto überwiesen bekommt, gehört einem. Voll und ganz. Kann in Spielcasinos verjubelt, in Puff-Häusern verb*** oder auch einfach in sinnvolleres wie Ernährung und Kleidung investiert werden. Da die meisten Arbeitnehmer wie gesagt keine Miete zahlen müssen, da ihnen die eigenen vier Wände gehören, darf man auch diesen Posten getrost vom Monatsbudget streichen. Das Non-Plus-Ultra allerdings ist der vorgängige Abzug von Steuern und Versicherungen vom Lohn. Auch darum muss man sich keine Sorgen machen, der Arbeitgeber schaut, dass das Geld an die richtige Stelle gelangt. – Ende Jahr wird man also nicht mit einer doppelt so hohen Steuerrechnung überrascht wie hierzulande dann und wann üblich (auch mich hat’s schon so verseckelt – zugegegebenermassen bin ich nicht unbedingt der Inbegriff des vorbildlichen Sparers).

In der Schweiz ist so etwas schlicht unmöglich. Zu gross das Misstrauen dem Arbeitnehmer gegenüber, dass dieser mit dem Geld irgendwas anstellt, aber nur nicht das, was er eigentlich von Gesetzes wegen sollte. Und noch schlimmer – der jährliche Versuch, die Steuern zu „optimieren“, bliebe dann aus. Wobei ich mich frage, ob wir Jungen mit unseren Milliardenvermögen wirklich etwas rausholen können. Doch der Glaube erwacht bei jeder Steuererklärung neu …

Fazit

Für mich stellt sich hier doch schon die Frage, welcher Ostblockler sich die Schweiz nach dem 25. September wirklich dauerhaft antun und danach von den Sozialwerken „schmarotzen“ will – irgendwie haben die’s dort drüben ja gar nicht so schlecht. Wer weiss, vielleicht könnte man von den lange Zeit abgeschirmten Mitbewohnern unseres Kontinents gar etwas lernen?

Wer es genauer (und juristischer) will, schaut sich auf der Web-Site mit dem Thema „Soziale Sicherheit in der EU“ um.

Hinweis: Rumänien ist (noch) nicht in der EU und also von der Personenfreizügigkeit vorerst ausgeschlossen.

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Sonntag, 11. September 2005

Marinade

Anlässlich der Grill- und Abschiedsparty von meinem alten Gymerkollegen Röthlisberger (sorry, keine Homepage *grins*) liess ich mir etwas ganz besonderes einfallen: Da die Marinade, die Coop an seine Grill-Fleische streicht, unausstehlich bzw. einfach nicht jedermans Sache ist, habe ich mich entschieden, mit Hilfe des Internets selber eine Marinade herzustellen.

Aus dem Coop Neuenegg brachte ich mir zwei Schweins Nierstückli heim, nature natürlich. Danach warf ich Google an und begab mich auf die Suche nach Marinaden-Rezepten. Nach dem Test einiger Such-Strings fand ich dann mit „Schwein Marinade“ ein interessantes Rezept. Leider aber nur noch unter Zuhilfenahme von Google Cache, denn anscheinend hat der Autor die Seite entfernt. Falls der Cache-Eintrag in nächster Zeit verschwinden sollte, habe ich das Rezept der Allgemeinheit hier erhalten.

Leider blieb für die genannten „3 Stunden marinieren“ nicht wirklich mehr Zeit. Um 16 Uhr war ich vom Einkauf zurück in den eigenen vier Wänden und begann sogleich mit der Zubereitung. Sowohl Zwiebel als auch Knoblauch fanden den Weg in die Pfanne und wurden angebrutzelt – die Hitze war gar etwas zu stark, weil sich die pflanzlichen Bestandteile rasch braun verfärbten. Pfeffer hinzu (anstelle der fehlende Peperoncino), Sesamsamen und Erdnüsse liess ich gleich ganz weg. Dafür aber Dijon-Senf, etwas Bier (den Rest habe ich mir danach vor dem PC gegönnt), viel Pfeffer und M-Budget-Honig, da der richtig teure gerade ausgegangen war. Zitronensaft durfte auch nicht fehlen. Bezüglich den Massangaben gabe ich mir keine Mühe (dass da ein gewisser Spielraum besteht, habe auch ich mittlerweile bemerkt). Komisch war die plodernde Masse aber schon anzusehen …

Am Schluss legte ich die Fleischstücke etwas ein und goss dann alles zusammen in ein grosses Tupperware, um es besser transportieren zu können. Schliesslich konnte man so die Fahrt nach Zürich noch zu den eigentlich benötigten 3 Stunden anrechnen.

Beim Bootshaus der ETH Zürich am Mythenquai nach einer rekordverdächtigen „Blindfahrt“ durch die Zürcher Innenstadt (erster Versuch: Volltreffer) angekommen, hatte ich und Kollege Petrascu (sorry, leider keine Homepage *grins*) zuerst mit der fast schon abgebrannten Glut zu kämpfen. Als die Hitze wieder so richtig entfacht war, brutzelte ich meine beiden Fleischstücke.

Mein Misstrauen gegenüber meinen Kochkünsten erwies sich aber als unbegründet – das Fleisch war wirklich fein! Der Geschmack ist schwer zu beschreiben, eher ungewohnt süsslich. Teilweise auch etwas fad, wobei ich vermute, dass dies an der kurzen Marinier-Zeit lag – und ich das Grillfleisch auf dem Grill nicht noch weiter mit Marinade bestrich. Einige Stelle waren aber wirklich schön richtig durchtränkt und schmeckten dementsprechend super!

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Rat approaching marinade
Originally uploaded by emeidi.

Die anderweitig vor Ort anwesenden Ratten (Ein Schnappschuss der Ratte – wie auch ein Gruppenfoto mit Röthu (nicht mit der Ratte, mit uns!) – folgen evtl. noch – anyone?) begannen sich im Laufe des Abends auch für die Marinade und sonstiges Essbares in der Nähe zu interessieren. So entschieden wir uns, das Tupperware mit Chips zu befüllen und die Viecher zu füttern. Nach anfänglicher Ängstlichkeit setzte ein immer häufigeres Schleichen zum Tupperware ein. Wider erwarten meiner Kollegen lagen die Tiere nach dem Genuss nicht im Sterben, was mich doch etwas beruhigte. So schlimm konnte die Marinade wirklich nicht gewesen sein, wie das Tupperware heute morgen nach Zwiebeln/Knoblauch stank.

Dennoch: Diese Marinade kommt überhaupt nicht gegen diejenige unseres vorzüglichen Dorfmetzgs Jaun an. Die Metzgersteaks mit Leinsamen-Marinade sind der Knüller. In wenigen Stunden werde ich solche Riesenflären bei Kollege Zgraggen auf den Grill schmeissen können anlässlich der Abschiedsparty von Kollege Sedlacek (sorry, keine Homepage *grins*).

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Sonntag, 11. September 2005

Windows Vista: 7 times hell and back [Nachtrag]

Windows XP erschien 2001 in zwei Versionen: Das kastrierte Windows XP Home sowie das eher für den Unternehmens-Einsatz prädestinierte Windows XP Professional.

„Das sind doch viel zu wenig Versionen“, dacht sich Microsoft hinblicklich der wohl niemals rechtzeitig erscheinenden Nachfolger-Version Windows Vista (Einführung geplant: Herbst 2006). Dieses Mal werden es sage und schreibe sieben unterschiedliche Versionen sein, die auf den Kauf der Kunden hoffen werden.

Ein Schreiberling des heise-Forums fand Parallelen in der Bibel, die meinen Lesern nicht vorenthalten werden sollten:

Und ich sah ein andres Zeichen am Himmel, das war groß und wunderbar: asieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen; denn mit ihnen ist vollendet der Zorn Gottes.

Johannes, Kap 15,1

Arstechnica analüsiert diese Entscheidung und warnt auch noch vor einem bisher wenigen entdeckten Problem:

One final note worth mentioning is that this strategy does remove the „corporate Windows XP“ option from the hands of pirates. Volume licensing for Pro, SBE, and EE may still mean that there will be copies of Windows Vista out there that don’t „call home“ for Windows Product Activation, but as you can see, Microsoft has removed most of the features that most pirates would want from those OSes. You won’t see corporate licensing versions of Ultimate Edition.

Sehr gut. Endlich werden all diese Tauschbörsen-Idioten Geld ausgeben, um sich den Müll auf ihrem Computer installieren zu dürfen. Ich denke zwar, dass es findigen Hackern gelingen wird, die sieben Versionen wieder zu einem einzigen zusammenzubauen, die schlussendlich wohl doch wie Corporate Licensing funktionieren wird. Dennoch: Windows ist zwar stark verbreitet – Microsofts Geldkuh ist es aber bei weitem nicht, weil einfach zu stark raubkopiert. Office trägt deutlich mehr zum Umsatz bei:

… analysts say 46 percent of the company’s revenue comes from desktop applications, primarily various versions of the Office suite

Diese Aussage stammt aus dem Jahre 2000, sollte aber auch heute noch Gültigkeit haben.

Ob die Patcherei nun einen siebenfachen Aufwand verursacht? Wohl schon – schliesslich müssen neue Security Updates dann auf ganzen sieben Systemen getestet werden. Selber schuld.

Nachtrag

Dvorak hat das Thema entdeckt und dementsprechend ausgeschlachtet und findet, dass die achte Version Windows Vista Porn Edition heissen sollte.

Drüben bei Slashdot geht’s noch wüster zu und her:

  • Perhaps they could have a Microsoft Vista „n00b“ edition with a one-click link to AOL and a special „me too!“ button on the keyboard.
  • Then there would be the Microsoft Vista „Infect Me“ edition with a special version of Outlook that automatically opens all attachments.
  • Add to that the „Miriam Abacha“ edition which sends all your banking info to Nigeria.
  • My favorite would be the Vista „Office Gamer“ edition which includes 25 variations on Solitaire.

Quelle: Other Versiona

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