Archiv ‘Krieg’

Donnerstag, 5. März 2026

Lunatics

Marco Rubio, gestern:

„Let me explain to you guys in simple English: Iran is run by lunatics. Religious, fanatic lunatics. […]“

Meine unpopuläre Meinung (sorry Marco): Ausgehend von diesem Deutungsschema befürchte ich, dass die zwei anderen Kriegsparteien — und zwar die in diesem Fall angreifenden — ebenfalls von „lunatics“ gelenkt werden.

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Dienstag, 3. März 2026

Zeitenwende: Der Pax Americana ist tot.

Als westlicher Frosch im sich zunehmend erhitzenden Wasser kann man leicht den Blick auf das grosse Ganze verlieren.

Das us-amerikanische Imperium zerfällt gerade vor unseren Augen, und es kann von niemandem mehr negiert werden.

Es zeichnete sich schon lange ab, aber jetzt, seit dem Angriff der zwei Nuklearmächten Israel und USA auf den Iran am 28. Februar 2026, wird es der ganzen Welt bewusst.

So muss es sich angefühlt haben, als das römische Reich den V1 — the point of no return (in seinem schlussendlich selbstverschuldeten Untergang) — erreichte.

Was wir in den letzten Tagen gesehen haben:

  • Dutzende Verbündete der Amerikaner im Nahen Osten werden von iranischen Drohnen und Raketen angegriffen. Kein Ami weit und breit, der sie verteidigt. Ein paar Luftabwehrbatterien, die Geschosse im Wert von 4 bis 15 Millionen (pro Stück!) in den Himmel schiessen, um Drohnen abzufangen, die ein Bruchteil davon kosten. Sie sind bald leergeschossen. Die USA erwägen bereits, THAAD-Batterien aus Südkorea abzuziehen, was darauf hinweist, wie gut durchdacht und durchgeplant der Angriff von letzter Woche war. Die bisherige Abmachung: Dein Öl gegen unsere (immer wertlosere) Währung, und „gratis“ dazu unser militärischer Schutzschild — Makulatur.
  • U.S. Stützpunkte in der ganzen Region wurden evakuiert, sind verwaist. Ein paar arme Nasen wurden zurückgelassen, um nach dem Rechten zu sehen. Die Basen sind seit dem 28. Februar regelmässig unter Beschuss — und werden nach und nach zerstört. Ein Langstreckenradar, der mehr als eine Milliarde US Dollar gekostet hat — pulverisiert. Eine Schmach sondergleichen. Insbesondere die wichtigste Einrichtung, der Stützpunkt der fünften Flotte der U.S. Navy in Bahrain: Unbrauchbar gemacht. Jetzt muss die Flotte dreieinhalb Tage nach Diego Garcia (notabene Britisch) fahren, um Material und Waffen zu laden, und Reparaturen vorzunehmen.
  • U.S. Botschaften und Konsulate in der Region gehen in Flammen auf. Natürlich gab es solche Angriffe auch schon in der Vergangenheit, deshalb gleichen U.S. Botschaften heute James Bond-Festungen respektive Fort Knox. Aber in so wenigen Tagen so viele Angriffe über den ganzen Nahen Osten verteilt? Ein Novum.
  • Amerikanische Bürger in der Region: Vollkommen auf sich gestellt. Zwar haben sie freundlicherweise die Meldung erhalten, die Region zu verlassen — doch das „Imperium“ bietet keine Transporte für seine Bürger an. Keine Schiffe, keine Flüge, um das Fussvolk (welches notabene überall auf der Welt besteuert wird — meinem Verständnis nach als Tauschgeschäft, dass man im Kriegsfall kostenlos beschützt und nach Hause geflogen wird), nach Hause in die Sicherheit zu bringen. Each on its own. Jeder für sich.
  • Implosion der MAGA Wahlplattform: Keine teuren, „foreign wars“ ohne direkten Nutzen für Amerika? Scheissegal, der MIK und AIPAC fordern ihren Tribut, und Trump konnte oder wollte nicht länger dagegenhalten. Reine Dummheit des Narzissten? Eine nicht öffentlich gemachte Krankheit des Präsidenten mit Jahrgang 1946, die das Urteilsvermögen angreift? Brisantes Trump-Kompromat der Epstein-Klasse?
  • Panik macht sich breit. Die Franzosen und Briten sind bereits eingeknickt, und eilen ihrem Verbündeten zu Hilfe. Deutschland zaudert noch, und macht vorerst das, was sie am Besten können: Die angegriffene Nation tadeln, sich gefälligst nicht zu wehren. Spanien hat sich aus dem Diskurs verabschiedet, und der verärgerte König Donald I. droht der iberischen Halbinsel mit Gegenmassnahmen (Zölle, Handelsabbruch). Tipp: Wieso nicht mit Amerikas Stärke drohen, dem Regime Change?
  • (Nachtrag) Zwei Mal haben die Amerikaner vorgetäuscht, mit den Iranern zu verhandeln. Rückblickend ging es nur darum, die Iraner in der Sicherheit zu wiegen, abzulenken, und (insbesondere beim aktuellen Konflikt) Zeit zu gewinnen, um die Air Force und Navy aufmarschieren zu lassen. Die Nachricht an die ganze Welt: Verhandeln mit den Amis bringt nichts. Es ist nur Hinhaltetaktik, und am Schluss wird die Verhandlungsdelegation und/oder das Staatsoberhaupt ins Nirvana gebombt.

Was jetzt kommt? Im direkten Kriegsgeschehen: Ich befürchte: Atombomben. In den „Nebenkriegsschauplätzen“ Ukraine und Taiwan: Ein Opportunitätsfenster öffnet sich. Was wird Putin tun, und wird Xi Tatsachen schaffen, weil die „Flanke“ Taiwan ungeschützt daliegt?

Item. Die Frage bezüglich des Nahen Ostens ist nur noch, wer zuerst die Nerven verliert: Die Israelis, wenn ihre bevölkerungsreichen Zentren weiter mit iranischen Raketen eingedeckt werden, die Iron Dome Interceptors leergeschossen sind, und lebenswichtige Infrastruktur (Entsalzungsanlagen, Kraftwerke) zerstört werden?

Oder der gekränkte Narzisst Trump, der sich völlig verspekuliert hat, sich langsam seiner fürchterlichen Situation (und des Verrats) bewusst wird, und nach nun jedem Strohhalm greift, um den Schmach abzuwenden. Das vermutete Resultat: Ein letztes Aufbäumen der Supermacht, jetzt für jeden sichtbar: Clowns, im Weissen Haus (Geständnis: Ich war voller Hoffnung, aber habe mich geirrt — den Worten folgten gegenteilige Taten). Die letzte Supermacht, im Ertrinken wild um sich schlagend. Der Übergang vom Uni- zum Multilateralismus wird uns allen weh tun.

Wenn wir Pech haben, steht der Dritte Weltkrieg vor der Tür. Und Khameini — was auch immer man von dem Typen denken mag — ist der Franz Ferdinand von 2026.

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Montag, 2. März 2026

Iran-Krieg: Kostenrechnung

Der Israelische Iron Dome und die Patriot-Batterien auf US-Stützpunkten in der Region arbeiten Überzeit.

Bei jedem Video, welches man auf Twitter sieht, sollte man im Hinterkopf die Kostenrechnung machen: Iran schickt Drohnen und Raketen en masse Richtung Gegner.

Jede Patriot-Rakete, die in den Himmel geschossen wird, kostet den Besitzer circa 4 Millionen US-Dollar. Kommen THAADs zum Einsatz, reden wir schon von 12 Millionen US-Dollar. Wenn ich die Videos korrekt deute, werden jeweils zwei bis drei Raketen auf ein abzufangendes Ziel abgefeuert.

Nie im Leben kosten die Iranischen Angriffswaffen auch nur annähernd so viel.

Übrigens:

Lockheed Martin currently produces over 500-600 Patriot (PAC-3 MSE) missiles annually […]

Die verbraten in den nächsten Tagen locker den ganzen Jahres-Ausstoss solcher Raketen.

Nachtrag

Ein Twitter-Benutzer hat Produktionszahlen veröffentlicht:

SM-6: 125/year
PAC-3 MSE: 620/y
Talon (THAAD): 96/y
SM-3 IB: 36-48/y (capacity for 60/y)
SM-3 IIA: 24/y

Quelle: @colbybadhwar

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Montag, 2. März 2026

Trump hat zu hoch gepokert. Trump hat fertig.

Nach diesem Wochenende sehe ich nicht, wie er seine Präsidentschaft noch retten kann.

Die Midterms im November werden ein absolutes Desaster und er verliert die Mehrheit im Kongress. Verschwörungstheoretischer Einschub: Es wird Midterms geben, oder? (Platzhalter: Princess Amidala Meme)

Noch ein Einschub: Ich glaube Trump geht es gesundheitlich nicht mehr gut. Verglichen mit den Wahlkampfvideos, wo er beispielsweise die acht Trillionen US-Dollar anprangerte, die die Administrationen vor ihm im Nahen Osten verbraten haben, lallt er mir zu viel, schaut erschöpft aus. Irgendwas stimmt nicht mit ihm.

Dritter Einschub: Sich derart im Iran zu verrennen lässt mich wieder Rätseln, was für krasses Material die Israelis über Donald in ihrem Giftschrank haben. Die um die Welt fliegenden, in seinem Namen verhandelnden Immobilienhändler mit der bestimmten Religion können unmöglich alleine ausschliesslich mit „soft-power“ einen derartigen Einfluss auf ihn ausüben.

Doch alles der Reihe nach: Heute stürzen die Aktienmärkte ab, das Benzin steigt in den USA über die Schmerzgrenze, bald beginnt der Zustrom an Leichensäcken aus dem Nahen Osten, Tucker Carlson, Nick Fuentes und wie sie alle heissen schalten in die höchsten Gänge, die MAGA-Plattform zerfällt (oder: zerbricht), die Zionisten unter AIPAC und das Epstein-Regime kommen doch noch in Bedrängnis. Da hat irgendjemand aus diesen Kreisen irgendwas ganz Schlimmes über ihn in der Hand.

Wenn ich die Bilder aus Tel Aviv, Jerusalem und von all den über den Nahen Osten verstreuten Militärbasen ansehe, beschleicht mich die Befürchtung, dass die us-amerikanische Waffenindustrie dieses Wochenende zwar als „Kick Off“ der „2026 Sales Campaign“ sahen, die „Waffendemos“ derzeit aber nicht das halten, was sie versprachen.

Und: Wie bereits in der Ukraine schauen die Russen und Chinesen ganz, ganz, ganz genau hin (wetten die haben dutzende oder hunderte Leute in der iranischen Armee „embedded“?) — und lernen und verfeinern Angriffstaktiken und Technologien, mit welchen man die us-amerikanische Navy und Air Force und ihre Waffen wenn nicht in die Knie zwingt dann immerhin gehörig beschädigt.

Und, schlussendlich: Seit Jahrzehnten war die Gefahr vermutlich nie mehr so gross wie heute, dass einer der beiden „guten“ Akteure in die Ecke gedrängt eine Atombombe zündet.

Aber: Vielleicht haben die USA und Israel doch alles im Griff, es läuft alles genau nach Plan, und die Anfangserfolge des Irans sind nur eine Finte, und der Hammer fällt den Mullahs jede Minute auf den Kopf.

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Sonntag, 15. Februar 2026

Führte die NATO-Osterweiterung zum Ukraine-Krieg?

Eine „Bianka“, schreibend für Waronomics (Substack-Homepage), findet klar „Nein!“:

The NATO Expansion Myth: How Academic Realists Rewrote History to Avoid Admitting They Were Wrong

Prominentester Vertreter dieser Hypothese ist vermutlich John Mearsheimer.

Ich versuche, Biankas wichtigste Argumente gegen diese Hypothese zusammenzufassen (soweit sie mir in Erinnerung geblieben sind):

  • Russland wurde nie vertraglich zugesichert, dass nach dem Fall der Mauer sich die NATO nicht über Deutschland hinaus gegen Osten expandieren würde
  • Polen, die Tschechei, Ungarn, die baltischen Staaten und der Balkn sind aus eigenen Stücken der NATO beigetreten, es war nicht der Westen, der darauf gedrängt hat.
  • Clinton, der NATO Expansionsbremser, wurde durch die Niederlage in den 1994ern Midterms gezwungen, seinen Widerstand aufzugeben. Angabegemäss hatte die Diaspora aus den obigen europäischen Staaten die Niederlage herbeigeführt, als Quittung für die Verzögerung in der Aufnahme
  • Nicht der Westen und/oder Amerika zerstörten in den 1990ern Russland ökonomisch, das Land hat dies einzig und allein selbst verschuldet
  • Da Yanukovich Sevastopol bis 2042 an Russland vermietet hat, ist eine Voraussetzung für den NATO-Beitritt nicht gegeben: Territoriäle Integrität.
  • Die Verfechter der Hypothese ignorieren die Jahre 2008–2014, wo die USA genau das taten, was jetzt wieder von den Realpolitikern um Mearsheimer gefordert wird: „Appeasement“ gegenüber Russland. Der Dank: Nach dem Maidan-Coup annektierte Russland die Krim.
  • Eine Atommacht benötigt keine Pufferzone an ihrer Landesgrenze
  • Russland ist auf einem Eroberungsfeldzug
  • Die USA haben keine kontinuierliche, koharänte Aussenpolitik. Sie wechselt mit jeder Administration. Das Land kann somit keinen bösen Masterplan verfolgen, der über vier- respektive achtjährige Präsidentschaftsperioden hinaus dauert.

Aha.

Als gelernter Historiker, geschult in Quellenkritik, ist mir spontan eines aufgefallen: In Biankas Twitter-Profil weht die Ukraine-Flagge, und dort steht auf Kyrillisch: Slava Ukraini. Als Hintergrundbild: Ein Gemälde des brennenden Kremls. Dementsprechend müssen wir hier von einem über alle Zweifel erhabenen neutralen Artikel ausgehen.

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Montag, 19. Januar 2026

Kritik an Israel, Anti-Zionismus, Antisemitismus

Das Vorgehen Israels in Gaza strapaziert das Verständnis vieler Menschen.

Im von mir stark frequentierte Podcast Judging Freedom kommt der Professor Jeffrey Sachs, selber jüdischer Abstammung, regelmässig mit Kritikbarragen an Israel zu Wort.

Auf Twitter ist mir auch schon ein Nick Fuentes untergekommen — ein Mensch ohne Filter, der Zeug rauslässt, das höchstens in Nazi-Deutschland der 1930er auf Applaus gestossen wäre.

Vor einigen Tagen kam ich an folgendem Artikel vorbei, den ich jetzt endlich lesen kann.

Einige Zeitgenossen werfen Kritik an Israel, Anti-Zionismus und Antisemitismus in einen Topf. Entweder ist man Pro Israel, bedingungslos, oder gegen Israel, und Letzteres macht einen automatisch zu einem Antisemiten.

So sieht es mittlerweile auch die us-amerikanische Anti Defamation League (ADL), welche ich bis heute nicht kannte:

For decades, the ADL argued that anti-Zionism could lead to antisemitism, but recently, the group had adopted the position Greenblatt more or less aired on Fox: that opposition to the Jewish state was the same thing as antisemitism, full stop. That tens of thousands of Jews were active in the pro-Palestine movement was not just put aside — it was taken as evidence that they were antisemites, too.

[…] “The casual demonization of the Jewish state
leads to the demonization of all Jewish people,”

Quelle: Inside the Crisis at the Anti-Defamation League

Was der Artikel beleuchtet: Die ADL, bis vor wenigen Jahren noch straff links und an den Demokraten orientiert, explizit Trump-kritisch, wie auch ICE-kritisch, hat angesichts der Pro-Palästina Proteste in den USA die „Seiten gewechselt“. Nun ist Trump mit seinen Aktionen gegen Universitäten, welche solche Proteste zulassen, und der Ausweisung von Pro-Palästina-Apologeten, bei der ADL hoch im Kurs:

The group was founded on the idea that Jewish rights and safety were inextricably linked to the rights of others. Once the ADL’s primary focus became stopping anti-Zionism, its calculus changed.

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Samstag, 3. Januar 2026

Endlich: Zeit für eine neue Flagge im Twitter-Profil, an Schweizerischen Gemeindehäusern, und Cassis läuft sich sicher auch schon warm

Es geht los. Die Amerikaner bringen seit diesen Minuten Venezuela endlich die lang ersehnte Freiheit und Demokratie, und bieten dem Land garantiert in den nächsten Tagen an, das grösste (verbleibende) Erdölvorkommen der Erde vor Nationen mit unlauteren Absichten „zu beschützen“, für ein kleines Entgelt zu verwerten und in die USA zu exportieren.

Auf Twitter rennen sie in diesen Minuten sicher schon alle zum Profil-Editor, um die neue Flagge in den Namen und Profiltext zu posten (Hilfe: 🇻🇪).

In Zürich, Bern und all den anderen woken Städten der Schweiz sind die Nähaufträge für die Venezuelanische Flagge garantiert auch schon raus, und in wenigen Tagen weht anstelle dem Stadt- und Kantonswappen sowie der Bundesflagge ein neues Zeichen der Solidarität über unseren Köpfen.

Oh: Und weiss jemand schon, wann wir Cassis auf dem Bundesplatz in einer Direktschalte nach Caracas ins Gefängnis in den USA seinen „lieben Freund Nicolás“ begrüssen hören?

Oder? Oder?! Venezuela ist die neue Ukraine, nicht wahr?

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Samstag, 3. Januar 2026

Messmer sieht die Ukraine auf der Siegesstrasse

Drüben bei arlesheimreloaded.ch stimmt Manfred Messmer zum Jahresende auf eine Lobeshymne an die Ukraine an: Warum die Zeit im Ukraine-Krieg für die Ukraine arbeitet

Für mich ein komplett irritierender Blog-Post. Ich meine wir haben Ende 2025, und nicht April 2022.

Wie können zwei belesene Schweizer Zeitgenossen, in derselben Wirklichkeit lebend (oder?) zu komplett unterschiedlichen Schlüssen der Situation kommen? Ich meine es ist schon recht starker Tobak, Putin und Russland Ende 2025 in der „schwächeren“ Position zu sehen.

Begründung: Ein Land, das ums Überleben kämpft, „erzeugt höchste Widerstandskraft“.

Huh? Das napoleonische Frankreich 1815? Die Konföderierten 1865? Das deutsche Kaiserreich 1918? Nazi-Deutschland 1945? Imperiales Japan 1945? Standen diese Mächte nicht alle vor einer Niederlage, „welche keine zweite Runde erlaubt[e]“?

Auch mutig: Die 90 Milliarden, die die EU zusammengeklaubt haben will und nach Kiev schickt, würden gemäss Messmer der EU weitere zwei Jahre „Planbarkeit“ erkaufen. Was meint er damit? Dass die Ukraine damit zwei weitere Jahre gegen Russland kämpfen kann? Ist Geld wirklich das einzige — oder: wichtigste — Problem der Ukraine? Ich hätte eher auf Menschenmaterial getippt. Aber was weiss ich schon.

Egal wie viel Geld die EU noch verlocht: Wenden sich die USA ab, kollabiert das Land. Endgültig. Man erinnere sich: Kreislaufwirtschaft. Reiner Durchlauferhitzer. Das Geld, welches nicht in Taschen von Funktionären wandert, ist gleich wieder auf dem Weg aus der Ukraine zu Kreditgebern und Rüstungsproduzenten im Westen.

Nun gut, drüben in Arlesheim stirbt die Hoffnung wohl zuletzt.

PS: Trump und sein Secretary of War bringen Messmer in diesen Minuten in die Bredouille: Ich freue mich schon auf den Blog-Artikel, welcher den Endsieg der Venezuelaner und Maduros über die USA voraussagt. Die Akteure dort können „nicht mehr ausweichen“, die „Motivation ist nicht austauschbar“, und eine Niederlage „erlaubt keine zweite Runde“.

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Dienstag, 23. Dezember 2025

Kriegstrommler in den Redaktionen

Nicolas Richter (Jg. 1973, Wikipedia) im September 2025 im Tagesanzeiger:

Drohnen über Ostpolen

Putins Provokation darf nicht unbeantwortet bleiben

Der Vorfall im polnischen Luftraum passt in das Muster eines hybriden Krieges, den Moskau immer dreister gegen Nato-Länder führt. Jetzt ist eine deutliche Reaktion notwendig.

Quelle: Putins Provokation darf nicht unbeantwortet bleiben

Schreibtischtäter.

Mein Vorschlag: Jeder kriegslüsterne Politiker, jeder kriegslüsterner Journalist darf solche Kampfesrhetorik nur noch äussern, nachdem sie sich freiwillig bei der Infanterie gemeldet haben und die Garantie haben, in der ersten Welle gegen die russischen Stellungen losgeschickt werden.

A propos 1: Nach „völkerrechtswidrigem Angriffskrieg“ hat die Meinungselite in Europa einen neuen Begriff kreiert: „hybrider Krieg“. Wenn ich die Google-Definition durchlese, vermag ich nichts Neues zu erkennen. Gab es (fast) alles schon im Ersten Weltkrieg, und im Zweiten Weltkrieg sowieso. Propaganda, Heimatfront, Zensur (jeweils alles auf beiden Seiten), Flächenbombardements von Städten.

A propos 2: Lesenswerter (aber paywall-ter) Artikel: Analyse zestig drone-incidenten in Europa: veel paniek en weinig bewijs (Volltext bei archive.is) Auch wenn man kein Niederländisch versteht: „viel Panik, wenig Beweise“.

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Dienstag, 25. November 2025

Ukraine: Wer bezahlt den ganzen Schlamassel?

Kurz und bündig: Wir. Wir Europäer.

Zuerst: Den grössten Schaden hat selbstverständlich das ukrainische Volk selbst, welches hunderttausende Männer im wehrfähigen Alter verloren hat. Gestorben, oder verstümmelt. Und die, die sich dem Kriegsdienst entzogen haben, leben nun über die Welt verstreut, in sicherer Distanz davon, vom Militär abgeholt zu werden. Die Konsequenz dieser Flucht: Ein Land ohne junge männliche Leistungsträger ist dem Untergang geweiht.

Wichtige kritische Infrastruktur des Landes ist zerstört, die Wirtschaft liegt am Boden.

Für den Zusammenhalt und die Stimmung im Volk nicht förderlich ist auch die Milliardenflut aus den Taschen der westlichen „Sugar Daddies“, welche die Ukraine „bis zum letzten Ukrainer“ kämpfen lassen. Milliarden, welche zu ansehnlichen Teilen in die Taschen einer korrupten Elite abgezweigt wurde.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Dem finanziellen Schaden. Ein mindestens dreistelliges Milliardengrab. Wir Europäer bezahlen mindestens vierfach:

  • Flüchtlinge. Es hat eine halbe Völkerwanderung aus der Ukraine nach Westeuropa stattgefunden. In der Schweiz leben um die 90’000 Ukrainer mit „Schutzstatus S“ unter uns. Nicht wenige gehen einer ordentlichen Erwerbstätigkeit nach, doch sehr viele leben von Sozialhilfe, sprich von uns Steuerzahlern. Sie tragen zum Dichtestress bei, mit all seinen Folgen (überlastete Infrastruktur wie Autobahnen, Züge, Schulen, Spitäler). Immerhin: Die Gutmenschen unter uns können sich auf die Schultern klopfen und behaupten, gut zu sein. Natürlich darf die Ukraine-Flagge im X-Profil nicht fehlen, und sie weht(e) auch auf öffentlichen Gebäuden. Werden die Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge jemals wieder zurückkehren? Ich bin mir nicht sicher. Gekommen, um zu bleiben.
  • Energiepreis. Europa hat sich in die ideologische Sackgasse manövriert und kämpft aktuell den Endkampf gegen das unfassbar absolute Pöhse („Russland“). Die Handelsbeziehungen zu Russland wurden gekappt (naja, so halb, denn ohne die Rohstoffe der Grossmacht geht es dann doch irgendwie nicht). Die billige Energie ist weg, was insbesondere in Deutschland die energieintensiven Industrien an den Rand des Kollaps gebracht hat (und vermutlich darüber hinaus, die Konkurse kommen erst noch). Nun kaufen die Nachbarn viel teureres LNG von den „Guten“ (den Trumpschen USA, und Katar), und fühlen sich auch hier moralisch überlegen. Um die CO2-Bilanz kümmern sie sich morgen. Auf Grund der irren Klimaideologie verbieten wir es uns natürlich, Atommeiler zu bauen (Rosatom, Kazatomprom, und die USA würden uns doch so gerne Brennmaterial verkaufen …).
  • Amerikanische Waffenlieferungen. Glaubt wirklich jemand, dass die Ukraine die US-amerikanischen Waffenlieferungen jemals selber bezahlen wird? Die Bezahlung der Schuldzinsen und Schulden des ukrainischen Staates ist die Rolle Europas. Sprich wir sind Teil des enormen Lufterhitzers, mit welchem die US-Politik Geld an die Ukrainer zahlt, damit diese dann umgehend beim militärisch-industriellen Komplex in und um Washington D.C. Kriegsmaterial „shoppen“ gehen kann, welches dann an der Front eingesetzt wird. „Kreislaufwirtschaft“, oder wie nennen es die Linken so schön? Indirekt bezahlen wir die Profite der Rüstungsindustrie in Übersee. Dieser Geldkreislauf wird dadurch noch verstärkt, dass Europa selbst nun wie irre Kriegsmaterial in den USA bestellt, um sich gegen den vermeintlichen „Endgegner“ in Moskau zu rüsten, der sonst morgen schon bis Gibraltar durchmarschiert.
  • Wiederaufbau. Auch der Wiederaufbau des Landes wird von uns Europäern gestemmt werden. Ohne Gegenleistung. Im Gegenteil: Schliesslich ist das Endziel ja, dass die Ukraine der EU beitritt, und dann die nach Kyiv gelegten Subventionsschläuche erst so richtig unter Druck stehen. Die Amis haben sich als Gegenwert für ihre jahrelange „Unterstützung“ die Rohstoffe des verbleibenden Rumpfstaates gesichert. Die EU macht das nicht, wo kämen wir denn da hin. Uns geht es im ganzen Konflikt um die Moral, und das Gut dastehen, um die Demokratie und Gerechtigkeit. Hat man eine solche Politikerklasse wie wir es in Europa, braucht man keine Feinde mehr.

Mit Blick auf das dereinst zur Abstimmung kommende Rahmenabkommen gibt es in mir eine Hoffnung: Die ökonomischen Konsequenzen des Ukraine-Kriegs überlasten die EU in den nächsten Jahren derart, dass das Bürokratiemonster kollabiert. Und die Schweizer Stimmbevölkerung schaut am Spielfeldrand zu, und macht dann das einzig Richtige: Ein „Nein“ in die Urne legen (wer assoziiert sich schon mit einem Verlierbündnis, deren drei Grossmächte kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps und dem unausweichlichen Bürgerkrieg stehen).

Doch noch steht uns in der aktuellen Situation leider ein „Ja“ ins Haus. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Dementsprechend vielleicht doch gar keine so schlechte Idee, auf gar keinen Fall jetzt Waffenstillstand und Frieden zu schliessen, sondern auf Tutti zu gehen und bis zum unausweichlichen Ende vorwärts zu stossen. Die EU und NATO werden das nicht überleben.

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