Interessant; das meiste kannte ich — da ich aber noch nie in Oregon herumgefahren bin, war mir nicht bewusst, dass man sein Fahrzeug nicht selber tanken darf (wie bescheuert — und — wohl auch ein Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Mini-Jobs). In Kalifornien darf man zum Glück selber tanken.
Obwohl ich einverstanden bin, dass die Ampeln in den USA „benutzerfreundlicher“ platziert sind, muss ich deshalb drüben jeweils wie ein Heftlimacher aufpassen: Denn wer in den USA bis auf Höhe der Ampeln aufschliesst, steht nicht am Kreuzungsrand, sondern mitten auf der Kreuzung. Und da sollte man lieber nicht stehen.
Was meine Frau auch noch erwähnt hat: Das Tanken ist in Europa in der Regel Post-Paid (nach dem Tanken wird gezahlt), während man in den USA Pre-Paid machen muss (bevor ein Tropfen Benzin in den Tank kommt, muss man seine Kreditwürdigkeit bewiesen haben).
Ein, zwei Jahre nach Beginn unserer Beziehung mit meiner Frau musste ich eines Grillabends realisieren, dass man in Kalifornien kein Pferdefleisch verzehrt. Denn seit 1998 ist der Handel mit Pferdefleisch zum Verzehr verboten, wie ich etwas später verwundert feststellen durfte:
[…] making it a felony for any person in the state to possess, transfer, receive, or hold a horse (defined to include ponies, donkeys and mules) with the intent to kill it, or have it killed, where the person knows, or should have known, that any part of the carcass will be used for human consumption.
Vor zwei Tagen dann beim Mittagessen auf der Arbeit eine ähnliche Diskussion: Die gebürtige Finnin im Team erzählt davon, dass man zu Hause Rentiere und Elche esse, nicht aber Pferde. Und der eine deutsche Kollege stimmt bei, dass in seiner Heimat (im Nordwesten Deutschlands) Pferdefleisch auch nicht auf dem Tagesmenu vorkomme.
In mir wächst noch während dem Mittagessen (ohne Pferdesteak auf dem Teller, notabene) der Bedarf, im Netz eine Weltkarte der pferdefleischverzehrenden Länder zu finden. Das ist gar nicht so einfach. Doch schlussendlich wurde ich fündig:
Mr. Ashworth observed surprisingly little hostility toward the enemy expressed by trench soldiers; the further from the front, the more hostility. In the words of one front-line soldier, “At home one abuses the enemy, and draws insulting caricatures. How tired I am of grotesque Kaisers. Out here, one can respect a brave, skillful, and resourceful enemy. They have people they love at home, they too have to endure mud, rain and steel.”
Pro Tag sterben in Deutschland also 2’471 Menschen. Und heute ist einer davon (0.04 Prozent) mal wieder EHEC erlegen. Wahrlich, da muss was dran sein an dieser Krankheit.
Der Flughafen Frankfurt: geschlossen. Die berühmten Autobahnen: verstopft. Die Bahn: am Rande des Zusammenbruchs. Deutschland, diese selbstbewusste, stolze Techniknation erlebt ein Winterchaos, das am Selbstbild rüttelt.
Inzwischen warnt die Bahn sogar selber vor Zugreisen. Man solle nicht zwingende Fahrten besser verschieben, bis sich das Wetter normalisiert habe.
Nun ist es ja nicht so, dass Deutschland den ersten Winter seiner Geschichte erlebt.
Wie viele Menschen in der westlichen Welt haben sich auch die Deutschen einen Lebensstil des «Heute da, morgen dort» angewöhnt. Zehntausende pendeln von Hamburg nach München, von Bonn nach Berlin, quer durch die Republik. Was typisch deutsch ist: Kosten darf die Mobilität nichts. Die Benützung von Autobahnen – natürlich gratis.
Das Preissystem der Deutschen Bahn ist so kompliziert, dass es einen eigenen Eintrag im Onlinelexikon Wikipedia hat.
Ist ja nicht so, dass die Deutschen die einzigen sind, die sich einen Wettbewerb daraus zu machen scheinen, wer am weitesten von seinem Arbeitsort entfernt wohnt …
Dass Deutschland durch die zweite Industrielle Revolution zu einer Industrienation wurde, ist in der Geschichtswissenschaft längst bekannt. Eine neue These aus dem Fachgebiet erklärt nun vielleicht, wieso Deutschland auf den Gebieten der Schwerindustrie, Chemie und Elektrizität zur führenden Wirtschaftsnation werden konnte:
In Deutschland hingegen saßen den Verlegern Plagiatoren im Nacken, die jede Neuerscheinung ohne Furcht vor Strafe nachdrucken und billig verkaufen durften. Erfolgreiche Verlage reagierten mit Raffinesse auf die Abkupferer und ersannen eine Form der Publikation, wie sie noch heute üblich ist: Sie gaben edle Ausgaben für Wohlhabende heraus und günstige Taschenbücher für die Masse.
… Am laufenden Band verfassten Gelehrte in Deutschland Traktate und Ratgeber, die sich mit Chemie, Mechanik, Maschinenbau, Optik oder der Stahlproduktion beschäftigten. In Großbritannien fröhnte derweil ein elitärer Zirkel einem klassischen Bildungskanon, der sich eher um Belletristik, Philosophie, Theologie, Sprachen und Geschichtsschreibung drehte.
Dagong rates Norway, Denmark, Switzerland, and Singapore at AAA, along with the commodity twins Australia and New Zealand.
The US falls to AA, while Britain and France slither down to AA-. Belgium, Spain, Italy are ranked at A- along with Malaysia.
Meanwhile, China rises to AA+ with Germany, the Netherlands and Canada, reflecting its €2.4 trillion (£2 trillion) reserves and a blistering growth rate of 8pc to 10pc a year.
Wenn man nicht in der Schweiz wohnt, sollte man auf die Chinesen hören und sich — als Westler, der mit (oder neben?) christlichen Werten aufgewachsen ist — in Norwegen und Dänemark niederlassen. Und wenn das nicht klappen will, zieht man wenigstens nach Deutschland oder in die Niederlanden.
Die Kanadier sind natürlich auch ganz nett (einige sprechen sogar Französisch, dass dem Schweizer in der Volksschule beigebracht wurde), aber mit der Zeit wird es nervig, für die Teilnahme an der Weihnachtsfeier zu Hause zehn Stunden in einem Flieger eingepfercht zu sein. Von Singapur reden wir gar nicht erst — neben der Distanz zur Heimat weist dieses „Land“ (Stadtstaat, um genau zu sein) eine vollkommen andere Kultur auf. Und von einer Demokratie möchte ich auch nicht wirklich reden.
Ein Hoch auf die genialen Gesetzgeber im grossen nördlichen Kanton:
Alle WDR-Online-Inhalte haben seit Inkrafttreten der neuen Regelungen am 01. Juni 2009 eine „Verweildauer“. Das heißt: Sie dürfen nur noch für eine bestimmte Frist im Netz bleiben. Bei vielen Inhalten ist diese Verweildauer ein Jahr. Eine Vielzahl von aktuellen Fernsehsendungen (wie etwa die Aktuelle Stunde und die Lokalzeit-Sendungen) bleibt als komplette Sendung nur sieben Tage „on demand“ abrufbar.
Die spinnen doch — Information wants to be free! Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass hier die mächtigen deutschen Verleger die Politik kurzerhand gekapert und instrumentalisiert haben, um einen leidigen Konkurrenten aus dem Verkehr zu ziehen.
Die Erfahrung mit staatlichen Finanzkrisen lehrt, dass ein Schuldenschnitt so rasch wie möglich vorgenommen werden sollte, sobald er unabwendbar ist. Der gewählte Weg hat nur einen Zweck: Den Banken wird Zeit gegeben, ihre griechischen Bonds loszuwerden. Wäre ein Schuldenschnitt umgehend beschlossen worden, wären die griechischen sowie einige deutsche und französische Banken kollabiert.
Der Anpassungsdruck – und da streifen wir die aktuelle Diskussion – ist für Deutsche einiges grösser als für die Einwanderer siehe oben. Zumindest war der Anpassungsdruck in den fünfziger und sechziger Jahren recht stark.
Meine Lederhosen, mit denen ich eingewandert bin, wurden bald einmal entsorgt und gegen schwarze kurze Hosen aus Manchester getauscht, was wiederum meinen Vater irritierte, hatte er doch dieses Modell in der Hitlerjugend getragen.
Und das Lustige wird bald einmal Ernst, wenn man dann hier vorbeikommt:
Nein, wir Deutsche sind anders. Wir haben andere Familiengeschichten, sind auf eine ganz andere Art Europäer. Nämlich nicht mit Abseitsstehen, sondern immer mitten drin in der Geschichte.
Ehrlich und direkt — das gibt ihm gleich ein paar zusätzliche Imagepunkte, diesem Mani Messmer.
Mario Aeby, geboren am 25. September 1980 in Bern, Schweiz
Ein Weblog über IT (Linux, OSS, Apple), Heim-Automation; mein mittlerweile abgeschlossenes Geschichtsstudium; Erkenntnisse aus meiner aktuellen Tätigkeit in der Informationssicherheit, meine Erfahrungen als IT-Berater, IT-Auditor, Web-Developer und IT-Supporter; die Schweiz, den Kanton Bern, meine ursprüngliche und auch wieder aktuelle Wohngemeinde Neuenegg, meine vorherige Wohngemeinde Bern, über lokale, regionale und globale Politik; meine Reisetätigkeit und Erfahrungen mit anderen Kulturen; und zu Guter letzt auch das Älter werden.
Alle in diesem Blog gemachten Aussagen und Meinungen sind persönlich und nicht als Ansichten meines aktuellen und/oder meiner bisherigen Arbeitgeber zu verstehen.