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Sonntag, 2. August 2020

Meine Sicht der „Maskenfrage“

(Anspielung auf die Gretchenfrage)

Gruppendruck in Asien

Ich habe zwei nach Hong Kong ausgewanderte schweizerische Bekannte, die auf Masken schwören. „Masken auf, und zwar überall ausserhalb unserer vier Wände. Die Maske ist das Äquivalent zum Tragen eines Velohelms beim Fahrradfahren und zum Angurten beim Autofahren. Machst du bei den Aktivitäten auch ganz automatisch, ohne nachzudenken, und vor allem: Da diskutiert auch niemand (mehr) über Sinn und Zweck. Ihr im Westen seid schlicht und einfach Egoisten; hier in Asien stellt man seine eigenen Bedürfnisse zurück und schützt damit sich, das Umfeld und die ganze Stadt. Deshalb: Hör auf zu trollen, wir haben Wichtigeres zu tun.“ (überspitzt paraphrasiert)

Mit dem Wunsch nach einer etwas nuancierte Betrachtung der „Maskenfrage“ ist mit diesen zwei Bekannten nicht möglich. Mir bleibt nichts anderes zu vermuten, als dass man als Expat in Asien über die Zeit halt einfach so wird: Wenn alle um einen herum eine Maske tragen, kann das erstens ja nicht falsch sein und zweitens muss es wohl sogar nützen, sonst würden ja nicht alle Masken tragen (siehe Zirkelschluss). Und vielleicht spielt ja doch noch ein wenig der gute, alte Gruppendruck eine klitzekleine Rolle.

„Karens don’t like masks“

Bevor ich die Hälfte der Leser jetzt hier verliere und mich morgen die Gestapo Gedankenpolizei Canceller abholen: Nein, ich bin keine „Karens don’t like Masks“, wie uns ein Bekannter aus Hawaii kürzlich per Whats App zugewitzelt hat. Zu dem Zeitpunkt waren die Proteste in Orange County gegen das Maskentragen gerade der Hit auf YouTube.

Differenzierte Sichtweise

Ich schaue die „Pandemie“ aber immer noch ohne Scheuklappen an und nutze meinen Denkapparat. Und leider ist es — wie bei allem auf dieser Welt — kein Schwarz und Weiss: „Masken tragen gut, keine Maske tragen schlecht“ gilt wohl auch hier nicht einfach so ohne weiteres.

Folgende Punkte sind in der Maskendiskussion aus meiner Sicht zu beachten:

Wissenschaftlich belegte Wirksamkeit

Um ein normalerweise nicht-maskentragendes Volk auf Grund der „äusserst kritischen Lage“ (gestern Sonntag 12 Corona-Infizierte in bernischen Spitälern, schweizweit kumuliert 6 Tote unter 40 Jahren, seit Wochen Untersterblichkeit; Quelle) in gewissen Bereichen zum Maskentragen zu zwingen, sollte einerseits ein ausreichendes wissenschaftliches Fundament existieren („Masken tragen nützt nachweislich generell“) und andererseits die Maskenpflicht in den Bereichen angeordnet werden, wo (1) die schwersten Infektionsverläufe stattfinden und (2) diese mit Masken nachweislich effektiv verhindert (oder: zumindest stark gesenkt) werden können.

Mit Blick auf die Entscheidungen und Begründungen der hiesigen Behörden habe ich aber Anlass zu befürchten, dass in den Amtsstuben in Bern andere, mir nicht erschliessbare Kriterien angewendet werden …

Das BAG mag zu Beginn der Krise das Maskentragen im Zivilleben nicht empfohlen haben, weil unsere Behörden und das Gesundheitssystem auf der ganzen Linie versagt und keine Maskenlager angelegt hatten. Vielleicht aber kannten die Profis des BAGs tatsächlich auch damals schon die (damals noch wenigen) existierenden Studien zum Thema. Mittlerweile kenne ich eine Metastudie, die eine Reduktion der Ansteckungen von 17.4 (Kontakt mit einem Infizierten ohne dass man selber eine Maske trägt) auf 3.1 Prozent postuliert (mit Maske). Eine andere Metastudie liefert weitere vielversprechende Resultate. Zum Ausbruch der Pandemie gab es diese Studien aber noch nicht, und selbst die WHO änderte ihre Meinung zur Maskentragpflicht erst Anfangs Juni 2020.

Für mich ist im Zusammenhang mit solchen Studien aber auch eminent wichtig, dass die Wissenschaftler in ihrer Beurteilung sicherstellen, dass man mit dem Maskentragen keine Kollateralschäden verursacht: Sprich Corona verhindert, aber sich mit irgendwelchem anderen gefährlichen Viren- oder Bakteriengeziefer infiziert, das sich auf der Maske breit gemacht hat. Und bereits angeschlagene Menschen nicht Probleme mit der Atmung kriegen: Sucharit Bhakdi erzählt im Grenzgänger-Interview mit Sky Dumont, wie seine Schwiegermutter im Aldi (oder war es Lidl?) in Ohnmacht gefallen ist, weil sie durch die Maske nicht genügend Sauerstoff aufnehmen konnte.

Und selbstverständlich interessiert mich in der jetzigen Diskussion nicht, was die Auswirkungen des (korrekten) Maskentragens im Spitalbetrieb ist, sondern von Laien im Alltag, denen die Hygienevorschriften weder eingetrichtert wurden, noch von ihnen regelmässig geübt werden.

Selbstschutz, oder Schutz Dritter?

Wenn ich die über die Monate mitverfolgten Diskussionen richtig verstanden habe, trägt man Masken vor allem, um nicht andere anzustecken.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob das die Mehrheit der Maskenträger begriffen hat. Ich befürchte, dass die Hardcore-Maskenträger immer noch meinen, vor allem sich selber vor in der Luft herumschwirrenden Corona-Viren zu schützen.

Dieser Punkt sollte bei jeden Entscheiden mitberücksichtigt und die Betroffenen transparent aufgeklärt werden.

Ramschware

Galaxus hat sich vor wenigen Tagen mit einer selten blöden Anspielung auf „Fake-News“ darüber entrüstet, dass der Beobachter und die FHNW es gewagt hätten, ihre tolle Maske als unbrauchbar zu bewerten. Das Medienerzeugnis und die Fachhochschule solle bitteschön gemäss geltenden EU-Normen (Abgasskandal, anyone?) testen. Nun, wenn die FHNW (a) beim Testaufbau nicht geschlampt hat, und (b) trotzdem noch gewisse Masken gute Noten erzielt haben, wäre für mich der Fall klar: Ich kaufe dann doch lieber die Maske, die auch den härteren Test bestanden hat, als den zwar Euronorm-kompatiblen „Lumpen“, den uns Galaxus verkaufen will, der mich aber dann nicht schützt. Dann kann ich es auch lieber sein lassen mit Maskentragen.

Und, liebe Digitec Galaxus: Das was ihr anprangert sind keine „Fake News“:

Fake news is written and published usually with the intent to mislead in order to damage an agency, entity, or person, and/or gain financially or politically, often using sensationalist, dishonest, or outright fabricated headlines to increase readership. Similarly, clickbait stories and headlines earn advertising revenue from this activity.

Quelle: Wikipedia: Fake news

Im Gegenteil: Der Beobachter will Schindluderei beim Maskenverkauf aufdecken („Maske ist nicht gleich Maske!“) und seiner Leserschaft helfen, Masken auszuwählen, die sie auch effektiv von „Käfern“ in der Luft schützen.

Und da wären wir bei der eigentlichen Problematik: Wie gut sind eigentlich die Masken, die nun die halben Schweizer Haushalte eingebunkert haben? Während ich mich mit Heimelektronik eingedeckt habe (Prioritäten!), hat meine Frau ebenfalls mehrere 50er-Packungen Masken aufgetrieben.

Rückblickend sehr interessant, da die Packungen aus verschiedensten Quellen stammen: Notlieferung eines Bekannten aus Shanghai, als hier anfänglich niemand Masken kaufen konnte; Qoqa; unter der Theke eines asiatischen Lebensmittelladens in der Region. Deshalb macht es richtig Spass, die unterschiedlichsten Verpackungskartons und ihren Inhalt zu studieren: Made in Vietnam, Made in China. Wie Toilettenpapier 4-lagig, 3-lagig. BEF (oder ist es doch BFE?) gleich 95, grösser gleich 98, höher als 99 Prozent. Manche drucken das FDA- und CE-Siegel drauf (Schindluder, wetten?). Eine Packung verweist auf Euronormen EN14683:2014 und eine andere auf ISO13485:2016. In manchen Packungen liegt sogar ein kleines Zettelchen, welches mit einem roten Stempel versehen ist und wie ein Zertifikat daherkommt. Soll vermutlich Vertrauen erwecken — aber die Produzenten wissen sicherlich am Besten, dass sie aus rechtlicher Sicht nichts zu befürchten haben, falls ihre Masken nicht versprechen, was sie halten.

Doch … ich frage mich schon, wie effektiv die Masken sind, die wir hier bunkern, und die, welche sich einige Leute täglich umschnallen. Sind wir doch ehrlich: Als die Produzenten in China realisierten, dass die Welt nach Masken schrie, wurden in windeseile die Produktion hochgefahren. Gekauft wurde vom Westen vermutlich alles, was nicht angenagelt war. Als chinesischer Unternehmer hätte ich jedenfalls auf Profit geschielt, und mich weniger um reine Räume, Qualität und Zertifizierungen.

Falsche Handhabung durch uns Laien

Ich trage seit Ausbruch der „Pandemie“ nur wenn zwingend nötig eine Maske. Das heisst vor zwei Wochen im IC von Bern nach Zürich und zurück, einige Male im Tram und Bus hier in Bern, drei Male beim Coiffeur, in der Karwendel-Gondel und beim Besteigen eines Schiffs auf dem Achensee sowie in der Gondel auf der Talfahrt von der Gemmi nach Leukerbad.

Das schlimmste Erlebnis war die je einstündige Zugfahrt von Bern nach Zürich und zurück im Hochsommer: Im Zug ist es schon genug warm, und mit der Maske fällt die Atmung noch einmal deutlich schwerer. Persönlicher Entscheid: Wenn immer möglich werde ich solche langen Zugfahrten meiden, solange die Maskenpflicht gilt. Andere, die den Luxus von Work from Home nicht haben und somit den ÖV nicht vermeiden können, verleitet dies dann aber genau zu Verhalten, welches das Maskentragen zur Farce werden lässt.

Ein Bekannter, der täglich lange Zugstrecken fahren muss, hat nun immer ein Getränk vor sich stehen, denn wer isst und trinkt, darf die Maske offenbar temporär (permanent?) heruntergezogen haben. Insbesondere dann, wenn er weit und breit der einzige im Wagon ist. Will ich es ihm wirklich verübeln?

Vermutlich bin ich unfähig, aber meine Masken rutschen mir (ungewollt) immer runter (ja, der Draht ist oben, darauf achte ich mich seit Beginn), weshalb ich sie immer wieder mit meinen Fingern anfassen und nach oben über die Nase ziehen muss. Das ist Gift, den genau an der Aussenseite sammeln sich nicht nur die Corona-Viren, sondern noch viele andere schädliche Viren und Baktieren. An der Innenseite auch, aber das ist immerhin mein „persönlicher Zoo“, wie es auch Dieter Nuhr bereits thematisiert hat (Nuhr griff das Thema „Maskentragen“ noch ein zweites Mal aus einem anderen Blickwinkel auf).

Die Stadt Stuttgart beispielsweise ermahnt denn auch seine Bürger: Gesundheitsamt weist auf die Wichtigkeit der korrekten Anwendung der Mund-Nasen-Bedeckungen hin.

Das das bitter nötig ist, weiss mittlerweile jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht: Wer hat sie nicht schon über WhatsApp gekriegt, die Videos von Leuten, die eine vertikale Öffnung in die Maske geschnitten haben, um besser atmen zu können. Oder das Video einer Person, die sich einen verschliessbaren Einlass in die Maske reingepfropft hat, um mit Maske rauchen zu können (welch‘ eine Ironie im Kampf gegen eine respiratorische Krankheit) oder um aus einer PET-Flasche trinken zu können.

Doch nicht nur beim Tragen gibt es Probleme. Eigentlich sollte man Einwegmasken ja nach jeder Benutzung wegwerfen. Doch die Mehrheit der Leute trägt dieselbe Maske mehrmals. Bei Nichtbenutzung wird sie in einem dieser schicken, superflachen Plasticbehälter aus Asien aufbewahrt, am Besten noch über saubere Masken gelegt. Oder dann aber in eine Jackentasche oder gar in ein Ziploc-Sack gesteckt, um sie bei der nächsten ÖV-Fahrt wieder hervorzunehmen. Will man es den Leuten übel nehmen? Falls man denn in den schlimmsten Zeiten überhaupt noch Masken kriegte, hat man für diese pro Stück einen Franken bezahlt. Das wertvolle Gut nach fünf Minuten Tramfahrt zu entsorgen macht weder finanziell Sinn, noch ist es praktikabel (ausser man hat immer ein 10er Pack Ersatzmasken mit dabei). Mit solchem Verhalten erhöht man meiner Meinung nach aber leider das Krankheitsrisiko anstelle es zu senken — aus „gut gemeint“ wird schädlich.

Klar gibt es mittlerweile auch diese feschen, wiederverwendbaren Modemasken aus Textilien. Wie effektiv diese sind, und wie oft und unter welcher Temperatur man diese wie lange waschen soll weiss ich nicht.

Velohelm-, Skihelm-, ABS- und ESP-Effekt

Mit der Maskenpflicht steigt die Gefahr, dass die Leute sorgloser werden — Distanzregeln werden missachtet, Hände werden nicht mehr gründlich gewaschen, und man hält sich wieder vermehrt und länger in geschlossenen Räumen auf, die eine Ansteckung erleichtern.

Das befürchtet zum Beispiel auch Klaus Püschel:

Diesen Effekt namens Risiko-Kompensation vermutet man für viele Lebensbereiche — mit aufgesetztem Velohelm auf dem Fahrrad oder mit Gurten, aktiviertem ABS- und aktivierter Antischlupf-Regelung fährt man halsbrecherischer. Wissenschaftler wollen aber kürzlich herausgefunden haben, dass solche Risiko-Kompensation nicht nachweisbar ist. Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt.

Wo wir dann wieder in der Situation „Zwei Wissenschaftler, drei Meinungen“ wären. Denn 2014 hiess es noch: Fahrradhelm-Pflicht brächte mehr Schaden als Nutzen.

Fazit

Ich bin skeptisch und lehne auf Grund all der Informationen über Masken, welche ich seit Ausbruch der Pandemie erfahren habe, eher dazu, die Maskentragpflicht im Zivilleben als sogenanntes Hygiene Theater abzutun. Schlussendlich primär eine Beruhigungspille für panische Mitbürger, welche sich nun nicht nur an etwas handfestes (ein Stück Stoff) klammern können, sondern die ihnen auch die Hilflosigkeit nimmt, und sie aktiv etwas tun können: nämlich einen „Schutzschild“ aufsetzen. Psychologisch muss das ungemein wirksam sein.

In ein, zwei Jahren haben wir aber hoffentlich genügend wissenschaftliche Grundlagen, um die Wirksamkeit der Masken im Zivilleben ex-post zu beurteilen. Bis dann gilt wohl: Helm, eh, Maske auf! „Nützts nüt, schadts (bitte bitte bitte) nüt.“

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Samstag, 13. Juni 2020

NZZ Standpunkte: Medizin-Ethik in der Corona-Pandemie

Leben und sterben mit Covid-19 – Wie schaffen wir das?

Die knapp einstündige Sendung wurde mir von einem Bekannten empfohlen. Ich habe sie mit youtube-dl heruntergeladen und dann während dem Rudertraining mit dem Mediaplayer Infuse 6 auf meinem iPad mit 1.75-facher Geschwindigkeit geschaut (meiner Meinung nach die Mindestgeschwindgkeit, die man wählen sollte — mehr Zeit ist das Gespräch nicht wert).

Was ich mitgenommen habe:

  1. Eine Patientenverfügung ist eine äusserst gute Sache und sollte in gesunden und unbeschwerten Zeiten verfasst und mit dem Partner und einem (geschulten?) Arzt besprochen werden.
  2. Das radikale Besuchsverbot in Alters- und Pflegeheimen war ganz klar ein Fehler des Bundesrats und des BAG (aus meiner Sicht: einer von vielen). Es war wissenschaftlich nicht rechtfertigbar, und hat viel Leiden ausgelöst (ein Corona-Kollateralschaden mehr).
  3. Generell sollten deutlich mehr evidenzbasierte Entscheide gefällt werden, ein Mittel dabei sei der „Rapid Review“ von wissenschaftlichen Artikeln.
  4. Eine breit abgestützte Task Force sofort einberufen. Meine Ergänzung: Bitte lasst die Viro- und Epidemiologen mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen aussen vor. Mir scheint es als gäbe es eine sehr starke Korrelation zwischen der Berufswahl und der Geilheit auf Medienauftritte.
  5. Sterbenskranke Ärzte ziehen es vor, nicht im Spital zu sterben, sondern zu Hause (Palliativmedizin). Das sind die Experten, haben viele auf dem letzten Weg begleite — und genau das sollte uns zu denken geben.

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Sonntag, 10. Mai 2020

Corona: Die unausweichbare Polarisierung der Gesellschaft?

Bald drei Monate nach dem ersten positiven Corona-Test in der Schweiz zeigen sich die Bruchstellen in unserer Gesellschaft. Die Polarisierung schreitet rasch voran, so scheint es mir. Nicht wegen dem Virus per se, sondern auf Grund der Reaktionen der Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien auf die „Pandemie“, sowie der unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen der Massnahmen auf die Bevölkerung.

Anstelle einer von vielen befürchteten zweiten, oder n-ten, Viruswelle sehe ich uns in der zweiten Hälfte des Jahres primär die wirtschaftlichen Realität um die Ohren fliegen. Ich befürchte, dass sich die Polarisierung über die nächsten Wochen deutlich intensivieren wird.

Die sich abzeichnenden Gräben gehen quer durch die Haushalte und Familien. Jetzt verstehe ich besser, wie man sich 2016 in ideologisch gemischten amerikanischen Haushalten an Thanksgiving gefühlt haben musste, frisch nach der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA. Oder in Grossbritannien in der Zeit nach der Brexit-Abstimmung.

Einige Beispiele? (Immer mit dem Blickwinkel eines Schweizers in der Schweiz)

  • Lockdowners vs. Unlockdowners Leute, die erst wieder aus ihren vier Wänden rauskommen wollen, wenn der ganze Spuk garantiert vorbei ist. Wenn ihnen jemand hoch- und heilig schwört, dass es weder Ansteckungen noch irgendwelche Tote mehr geben wird. Welche sich so aber gleichzeitig anmassen, die andere Hälfte der Gesellschaft in ihre Geiselhaft zu nehmen. Denn es gibt durchaus Leute, welche der massiven Einschränkungen der Bewegungs- und Wirtschaftsfreiheit sowie den unglaublichen Geldsummen (von der Politik zuerst vernichtet, und künftig als „Sugar-Daddy“ ausgeschüttet) seit einiger Zeit nur noch kopfschüttelnd begegnen.
  • Masken-Träger vs. Vermummungskritiker Ähnlich wie die soeben genannten Gruppierungen. Immerhin verstehen die Masken-Träger, dass es nicht die Lösung sein kann, dass wir uns weiter monate- oder jahrelang einschliessen. Aber: Wenn man raus geht, muss man sich (für alle sichtbar!) schützen. Mit Masken und Handschuhen. Es sind diese Leute, die sich entrüsten, wenn jemand es wagt, sich ohne Maske in der Öffentlichkeit zu bewegen. Sie kritisieren die andere Hälfte; die Leute, denen Schutzmassnahmen entweder völlig egal sind, oder aber die es verstanden haben, dass die richtige Handhabung von Masken kompliziert ist. Dass eine Maske deshalb einen falschen Schutz suggeriert und man vielleicht sogar nachlässiger wird (Maske? dann muss ich ja nicht mehr Hände waschen!). Und dass Masken ja Viren- und Bakterien sammeln, und das ganz Nahe beim Mund und der Nase. Immerhin ein kleiner Lichtblick: In China wird es bis Ende Jahr einige neue Multi-Millionäre, eventuell sogar Milliardäre geben, die sich im Masken-Business eine goldene Maske … eh Nase verdienen. Mit freundlichen Grüssen der Panikkäufer im Westen.
  • Drosten-Ultras vs. (alte und neue) Wissenschaftszweifler Leute, die keine Medien mehr konsumieren ausser Drostens mit Hilfe von NDR verkündete „Predigt“. Ihnen stehen Leute gegenüber, denen es nicht behagt, dass man nicht den am lautesten schreienden Wissenschaftler die Deutungshoheit überlassen darf, insbesondere, wenn die die düstersten Szenarien an die Wand malen. Leute, die bemerkt haben, dass Drosten nicht die Wissenschaft ist, und es keinen Konsens gibt, wie gefährlich der Virus und wie schlimm die „Pandemie“ wirklich ist (insbesondere, da wir uns mit jedem Tag weiter von der Apokalypse zu entfernen scheinen). Dass es keinen Konsens gibt, wie (drastisch) der Seuche wirklich begegnet werden muss. Vor allem aber ist Wissenschaft nicht nur der Virologe in Berlin (Virologe, nicht Epidemiologe oder Pandemiologe, sic!), sondern dazu gehören eben auch Volkswirtschaftler, Verfassungsrechtler, Statistiker, Psychologen und so weiter und so fort. In nebulösen Situationen wie im Frühjahr 2020 benötigt man zwingend verschiedene Meinungen.
  • Heimarbeiter vs. Frontkämpfer Heimarbeiter haben es gut: Im Grunde spielt es keine Rolle, wo sie ihre Arbeit leisten, denn dank moderner Technologie kann das überall sein. Der Lohn fliesst im gewohnten Umfang weiter, einige beginnen die Arbeit von zu Hause richtig zu mögen. In ihrem Wattekokon und in ihrer Filterblase eingesperrt realisieren sie (noch) nicht, wie sich die Wirtschaftswelt um sie herum zum Schlechteren zu wenden beginnt (oder direkt auf die Wand zufährt, je nach Blickwinkel). Die bittere Realität ist für viele längst eine andere: Medizinisches Personal, Handwerker, Restaurationsmitarbeiter, Coiffeure und Kosmetiker, Lieferdienste, Putzfrauen können nicht von zu Hause aus arbeiten. Wenn sie noch Arbeit haben und raus müssen, haben einige von den Medien geschürte panische Angst, nächstens tot umzufallen. Andere sind nun bereits arbeitslos, und die Chance auf eine rasche Erholung verschiedenster Industrien ist nicht in Sicht. Die Arbeitslosenzahlen bleiben hoch.

Das Endresultat? Ich sehe verschiedene Szenarien:

  • Gleichgültigkeit. Nach ein paar Monaten ist alles vergessen. Die wirtschaftlichen Schäden sind nicht so gross wie gedacht, die „Pandemie“ ist verschwunden, der Aufschwung beginnt. Der Staat — d.h. wir — zahlen die Schulden über die kommenden Jahrzehnte ab, mit ewig tief bleibendem Zins. Manöverkritik ist nicht (mehr) zugelassen, Nestbeschmutzer sollen die Klappe halten, denn alle haben ihr Menschenmögliches gegeben. Es gab zwar hie und da ein paar wenige Fehler, aber im Grossen und Ganzen sollen wir jetzt einfach froh sein, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Vorwärts schauen, nicht rückwärts! Und falls der nächste Virus kommt, machen wir alles wie beim letzten Mal. War ja nicht so schlimm.
  • Politisches Reinemachen. Guy Parmelin, der im Dezember 2020 nicht zum Bundespräsidenten gewählt wird, oder der ein äusserst schlechtes Resultat einfährt. Bundesräte, die zurücktreten müssen. Jetzt noch undenkbar, doch in sieben Monaten wird die durch den Lockdown ausgelöste Schockwelle durch die meisten Teile des Systems gerattert sein. Wird es eine PUK geben? Wird ein Gericht über die Verfassungsmässigkeit der drastischsten Massnahmen urteilen? Das Parlament präzisiert das Pandemiegesetz, und weist die Macht des Bundesrates in Schranken — zwingend müssen künftig Kriterien wie Verhältnismässigkeit bei allen Entscheiden berücksichtigt werden. Ausserdem müssen Entscheide auf zuverlässigen, von verschiedenen Seiten geprüften Zahlen basieren, und einschneidende Einschränkungen werden frühstmöglich, nach vorgängig klar definierten Kriterien, wieder rückgängig gemacht. Anstelle dass man Massnahmen zur Verhinderung von X einführt, im Laufe der Massnahme aber dann plötzlich auf die Verhinderung von Y umschwenkt. Die Bevölkerung verliert weiter das Vertrauen in die „dort in Bern“, und verschafft sich in den kommenden Abstimmungen Gehör, indem sie der Classe Politique einen Denkzettel nach dem anderen verpasst.
  • Zementierung der Deutungshoheit und Konsolidierung der heuer erstmals getesteten Machtbefugnisse. Das Gegenteil zur vorherigen Ausführung: Der Bundesrat erhält die beste Zustimmungsraten seit Menschengedenken. Das BAG wird massiv ausgebaut, weil wir mehr Beamte brauchen, nicht weniger, die uns bei der nächsten „Pandemie“ schützen. Beamte, die Gesetzesaufträge nicht ausgeführt haben (Stichwort Maskenbeschaffung), werden als Dank befördert. Die Bevölkerung gewöhnt sich dran, in Pandemien als unmündig erklärt zu werden, und hat internalisiert, dass Lockdown-Anweisungen zu befolgen und nicht zu hinterfragen sind.
  • (Erneuter) Vertrauensverlust in die „Wissenschaft“. Man erinnere sich an das in den 1980ern prophezeite Waldsterben: Wie alle hat auch die Wissenschaft hat nur ein begrenztes Arsenal, um Alarm zu schlagen und eine Bevölkerung zu sensibilisieren. Wählt man das falsche Thema und/oder treten Zukunftsvoraussagen nicht ein, wird man rasch unglaubwürdig. Und wenn nicht unglaubwürdig, nehmen die Kritiker exponentiell zu. Wenn dann aber dereinst eine echte, tödliche Pandemie kommen sollte, wird niemanden mehr auf die Leute hören, die Wolf schreien.
  • Bürgerkrieg. Solange wir nicht Zustände wie in Amerika haben — innerhalb von ein paar Wochen Arbeitslose im zweistelligen Millionenbereich, die mit ihren Ersparnissen und ausgeschöpften Kreditkarten nur ein-zwei Wochen überleben können, sowie eine gleichzeitig bis an die Zähne bewaffnete Bevölkerung — hier völlig unwahrscheinlich. Oder?
  • Die Menschheit stirbt grösstenteils aus. Die Populisten, Vereinfacher und Kritiker lagen falsch. Corona ist ein tödliches Virus, welches die Menschheit in ein paar Jahren grösstenteils dahinrafft. Mad Max lässt grüssen.

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Donnerstag, 7. Mai 2020

Frau Schweitzer und Benjamin Franklin

Während dem Lockdown habe ich James Burkes The Day the Universe Changed geschaut. In der Episode „What the Doctor Ordered“ wird eine Frau „Helvetius“ erwähnt, die in ihrem Salon mit Benjamin Franklin verkehrte.

Spannender Name, dachte ich mir, und wollte ergründen, ob die gute Frau irgendeine Verbindung zur Schweiz (der damaligen Eidgenossenschaft) hat — wieso sonst dieser Name?

Antwort: Nein. Ihr Mann, Claude Adrien Helvétius hiess in nicht-latinisierter Form „Claude Adrien Schweitzer„. Geboren wurde er aber in Frankreich, wo er auch starb. Sein Urgrossvater stammte aus dem Gebiet des heutigen Deutschlands.

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Donnerstag, 23. April 2020

Corona-Rechnen an Hand des Kantons Genf

Nachdem ich zu besten Zeiten die Corona-Zahlen mehrmals täglich in Erfahrung gebracht habe, gehen mir die meisten Zahlen mittlerweile sprichwörtlich am Hintern vorbei. Je länger die Krise dauert, je mehr man liest und vergleicht, desto offensichtlicher werden die Schwächen der Corona-Statistiken. Weltweit. Jedes Land wurstelt irgendwie rum.

Mittlerweile interessieren mich eigentlich nur noch die Zahl der Corona-Toten, da ich bis vor kurzem glaubte, dass dies die einzige Zahl ist, die man nicht verfälschen kann. Typisch Menschlich, sich an etwas vermeintlich simplen festzuklammern, um das Geschehen um einen herum zu erklären.

Doch nun hat sogar die Diskussion über die Zahlen der schweizerischen Corona-Toten begonnen. So wie ich die neuesten Erkenntnisse verstanden habe, gilt man hierzulande als Corona-Toter, sobald man positiv getestet wurde und danach das Zeitliche segnet. Wie der K-Tipp in seiner jüngsten Ausgabe aufgezeigt hat, hat man das bspw. mit den Grippetoten in den letzten Jahren nie so gemacht. Die starben jeweils an Krebs, Lungenentzündung, Organversagen, schlag-mich-tot, aber fast nie an der Grippe selbst. Wieso kehrt man das übliche Vorgehen nun um?

Henusode. Die Universitätsspitäler in Genf haben heute Zahlen einer „repräsentativen“ Stichprobe der Bevölkerung auf Covid-19 Antikörper präsentiert. 760 Personen wurden auf diese untersucht. Die Statistiker errechneten aus den Resultaten der zweiten Woche (14. bis 17. April, 471 Personen), dass hochgerechnet 5.5 Prozent der Bevölkerung des Kantons bereits mit Covid-19 infiziert worden sind. 5.5 Prozent ist der Mittelwert der Bandbreite von 3.3 bis 7.7 Prozent.

Wo die Medienmitteilung aufhört, beginnt aus meiner Sicht eigentlich die interessante Rechenaufgabe: Der Kanton zählt knapp 500’000 Einwohner. 5.5 Prozent entsprächen 27’500 Einwohnern. Gemäss corona-data.ch wurden in Genf bisher 4710 Personen positiv getestet.

Erste Erkenntnis: Die Zahl der Infektionen sind also um den Faktor 5.8 höher als angegeben („Dunkelziffer“). Knapp 23’000 Personen haben also Corona überlebt; entweder, weil sie nicht bemerkt haben, dass sie überhaupt krank sind, oder aber, weil die Symptome viel zu mild waren, dass man sie zu einem Test zugelassen hätte.

Doch viel wichtiger ist diese Information, um die Letalität zu berechnen. Von 27’500 infizierten Einwohnern sind Stand heute 205 Personen gestorben (selbe Quelle).

Zweite Erkenntnis: Die Letalität über alle Altersgruppen hinweg beträgt 0.74 Prozent. Eine „normale“ Grippe rafft gemäss dem Robert Koch Institut zwischen 0.1 und 0.2 Prozent der Infizierten dahin. Covid-19 tötet also drei bis vier Mal mehr Leute als die Grippe.

Aber — und so schliesst sich der Kreis wieder — wie oben erwähnt scheinen es sich in der jetzigen Pandemie die Leute einfach zu machen, welche die Todesurkunden ausfüllen: Corona-Opfer. Ende der Diskussion. Dementsprechend könnten die offiziellen Todeszahlen übertrieben sein.

(Einschub: Ein Kollege schreibt mir, dass in Deutschland der Grippe-Ansatz gefahren werde; d.h. Corona-Tote sind an ihren Vorerkrankungen gestorben. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen. Dies jedenfalls könnte erklären, wieso Deutschland pro Capita deutlich weniger Tote zu beklagen hat als andere Länder. Sprich: Sind die Schutzmassnahmen dort gar nicht so viel besser, sondern primär einfach die, die die Statistiken dort verfassen?).

Ob also Corona (in der Schweiz) wirklich drei bis vier Mal mehr Leute getötet hat, wird sich vermutlich erst in Monaten oder gar Jahren zeigen. War ich anfangs wissenschafts- und politgläubig, werde ich immer skeptischer.

Wenn man ganz sauber sein will, berechnet man die Letalität über die Bandbreite der drei angegebenen Zahlen:

Infizierte (Prozent) 3.3 5.5 7.7
Infizierte (absolut) 16’500 27’500 38’500
Tote 205 205 205
Letalität (Prozent) 1.24 0.74 0.53

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Sonntag, 15. März 2020

Die Stunde der Wahrheit für das US-Gesundheitssystem

„And then he [Trump] tops it off by suggesting the U.S. has the „most advanced“ healthcare in the world — well yeah, if you’re fucking loaded! Whereas the truth is this virus is about to expose the horror of the US health system in all its glory. Get ill and go bankrupt. It’s the American Dream, isn’t it?“

(ab 3 Minuten 50 Sekunden)

(Bevor ich hier in Schadenfreude ausbreche beschleicht mich die Befürchtung, dass das schweizerische Gesundheitssystem — das zweitteuerste der Welt — in den nächsten Wochen ebenfalls implodiert … vermutlich ein oder zwei Wochen vor den USA, da diese bzgl. Infektionen noch zurückliegen.

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Donnerstag, 12. März 2020

Berechnungen zu amerikanischen und schweizerischen Spitalbetten unter Corona

Merke: Glaube keiner Statistik, die man nicht selber gefälscht hat. Bei untenstehenden Aussagen ist Quellenkritik zwingend nötig. Aber ich vermute, dass die meisten Gesundheitsbehörden den einen oder anderen Statistiker und Epidemologen auf der Gehaltsliste haben und deshalb langsam aber sicher drastische Massnahmen ins Auge fassen.

“We’re looking at about 1M US cases by the end of April, 2M by ~May 5, 4M by ~May 11,”

“By this estimate, by about May 8th, all open hospital beds in the US will be filled.”

Quelle: @LizSpecht: I think most people aren’t aware of the risk of systemic healthcare failure due to #COVID19 because they simply haven’t run the numbers yet. Let’s talk math.

Liz Specht ist gemäss LinkedIn Associate Director of Science & Technology at The Good Food Institute. Sie ist auf der Web-Site als Mitarbeiterin aufgeführt.

Das Institut hat folgende Mission:

GFI has a team of scientists, entrepreneurs, lawyers, and lobbyists, all of whom are laser focused on using markets and food technology to transform our food system away from factory farmed animal products and toward clean meat and plant-based alternatives.

Als Ergänzung empfiehlt sich dieses Video eines Mathematikers über exponentielles Wachstum, hier im Kontext von Corona:

Und in der Schweiz?

Gemäss dem Bundesamt für Statistik gibt es in der Schweiz 37’956 Spitalbetten. Dies beinhaltet aber auch „Psychiatrische Kliniken“, „Spezialkliniken der Rehabilitation/Geriatrie“ sowie „Andere Spezialkliniken“.

Wenn Liz Specht richtig schätzt, dass im Alltag 66 Prozent der Betten von „normalen Patienten“ belegt sind, hätten wir in der Schweiz also maximal 33 Prozent oder 12’526 Betten für die schlimmen Corona-Fälle zur Verfügung. In China waren 5 Prozent der Fälle kritisch.

Unsere Spitäler hätten also ungefähr dann ein Problem, wenn wir zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig 12’526 kritische Fälle zählen würden. Wären das wie in China 5 Prozent der Infizierten, gäbe es im ganzen Land somit mindestens 250’520 Infizierte. Das wären 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Experten gehen wiederum davon aus, dass mittelfristig 40 bis 70 Prozent der Einwohner vom Virus befallen werden.

Eine der wenigen Variable, die wir beeinflussen können, ist, ob alle auf’s Mal krank werden und wir die Betten innerhalb von wenigen Tagen füllen … oder aber ob wir das über Monate hinweg ausdehnen können.

Nachtrag — 2020-03-12

Das Thema findet sich nun auch auf 20 Minuten: Schüler berechnen, wie viele Spitalbetten fehlen. Kernaussage:

Behauptung: Die Spitalbetten reichen nicht aus

Gehe man davon aus, dass 20 Prozent dieser Fälle an einer schweren Infektion litten oder zu kritischen Fällen gehörten, würden zwischen einer halben und einer Million Menschen unser Gesundheitssystem benötigen, schreiben Keller und Gerber. Die Schweizer Spitäler könnten aber auch im besten Fall mit 38’000 freien Betten nicht 510’000 Coronavirus-Patienten auf einmal beherbergen. Die beiden Schülerinnen kommen zum Schluss: «Unser Gesundheitssystem wird früher oder später zusammenbrechen.» […]

Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) gibt es zurzeit in der Schweiz 82 von der SGI zertifizierte und anerkannte Intensivstationen. Dort stehen derzeit zwischen 950 und 1000 Betten zur Verfügung. Davon verfügen 800 bis 850 Betten über Beatmungsgeräte. […]

Bei den Beatmungsplätzen könnte es durchaus zu einem Engpass kommen, sagt Infektiologe Cerny. «Der Bedarf ist sehr gross und wir wissen nicht, wie schnell sich die Epidemie hierzulande ausbreitet», erklärt er. In einigen Regionen in Norditalien konnten Patienten nicht mehr beatmet werden, weil es einen Materialengpass gab. «Vor diesem Szenario haben wir alle Angst», sagt Cerny.

Nachtrag — 2020-03-17

Die Lombardei (mit 10 Millionen Einwohnern, als eine Region bevölkerungstechnisch in der Grössenordnung der Schweiz; flächenmässig halb so gross) verfüge über 800 Intensivbetten (Quelle). Gemäss einem Artikel in der Financial Times besitzt Italien 12.5 Intensivbetten pro 100’000 Einwohner, d.h. Total, über das gesamte Land verteilt, 7560 Betten. Die Schweiz soll gemäss dieser Erhebung über etwas mehr als 10 Intensivbetten pro 100’000 Einwohner verfügen; sprich Total 870 solcher Betten (Quelle)

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Sonntag, 1. März 2020

Die „gesunden“ Corona-Kranken

In den nächsten Tagen wird man Drosten zufolge sehen, »dass neue Fälle und kleine Fallgruppen wie die Pilze aus dem Boden schießen werden«. Deutschland wird dabei vermutlich eine europäische Spitzenposition einnehmen, »weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist«. […]

Das beleuchtet die neue Qualität der sich in Europa ausbreitenden Epidemie: Die einzelnen Fälle sind nicht mehr auf einen bekannten Ursprungspatienten zurückzuverfolgen. Zwischen den bekannten Fällen liegen immer mehr unerkannte Infektionen mit vermutlich milder Symptomatik, die gar nicht in den Blick des Gesundheitssystem gekommen sind. Das sind die aus dem Boden hervorschießenden »Pilze« des Professors Drosten, die anscheinend wohl oder übel kommen werden.

Es wird eine ganz normale Pandemie

Will heissen: Es scheint Leute zu geben, die Corona in sich tragen, sich aber nicht (derart) krank fühlen, dass sie überhaupt an eine Corona-Infektion denken.

Beruhigend für all die, die bis jetzt nicht abschätzen können, ob die eigene Corona-Infektion nach einem kleinen Husten vorbei ist, oder uns eben doch für drei Wochen die Lunge aus dem Körper hustend und fiebrig flachlegt.

Beunruhigend für all die alten Leute über 60, welche statistisch einer deutlich höheren Corona-Sterblichkeit entgegensehen. Denn diese könnten von den gesund erscheinenden Corona-Kranken angesteckt werden und schlimmstenfalls an den von der Krankheit verursachten Komplikationen sterben.

A propos …

Bei Tichy drüben sehen sie schon den perfekten Sturm auf Deutschland zukommen:

Das Coronavirus und die wohl im Entstehen begriffene neue Migrationswelle über die Türkei und den Balkan treffen in Europa und insbesondere in Deutschland auf Gesellschaften, die mit existentiellen Bedrohungen und Krisen keine Erfahrungen mehr haben.

Quelle: Zwei Krisen auf einmal

Sind wir gespannt, wie sich diese zwei Ausnahmeereignisse auf die Abstimmung zur BGI vom 17. Mai 2020 auswirken werden.

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Dienstag, 9. Oktober 2018

Die Stimme eines Wyomingers wiegt 3.6 Mal mehr als die eines Kaliforniers

As The Washington Post pointed out in 2016, „In the Electoral College, each individual Wyoming vote weighs 3.6 times more than an individual Californian’s vote.“ The Post continued, „That’s the most extreme example, but if you average the 10 most populous states and compare the power of their residents’ votes to those of the 10 least populous states, you get a ratio of 1 to 2.5.“

Quelle: Liberals, This Is War

Wieso die sonst so innovationsfreudigen Amis immer noch mit den 538 Wahlmännern arbeiten, ist und bleibt mir ein Rätsel: Ein Relikt aus den Zeiten, als man noch zu Fuss oder mit Pferden unterwegs war und noch nicht einmal die Lokomotive kannte (!): United States Electoral College.

Aber wie sagt man so schön: Jedes Land hat die politischen Eigenheiten, die es verdient.

So etwas ähnliches gibt es hierzulande ja auch: In der Schweiz „wiegt“ der Kanton Appenzell–Innerrhoden mit 16’000 Einwohnern bei der Frage zum Ständemehr nun mal gleich viel wie der bevölkerungsreichste Kanton Zürich mit 1.5 Millionen Einwohner (Quelle), was noch ein viel krasseren Faktor 93 ausmacht.

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Dienstag, 9. Oktober 2018

YouTube: Why Switzerland is the Safest Place if WW3 Ever Begins

Dämliches Video, das jedem Schweizer anfänglich bauchpinseln sollte, bei mir vor allem aber nach jeder Sekunde lauter nach „Faktencheck“ ruft. Da wird einiges an Käse erzählt.

Aus irgendeinem Grund ist das durch den sau-gescheiten YouTube-Algorithmus in die Liste der Video-Vorschläge gerutscht. Beunruhigend, dass solcher Quark den Weg in solche Listen findet …

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Labels: Schweiz, Unterhaltung

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