Archiv ‘Schweiz’

Dienstag, 24. Februar 2026

PostFinance: Doppelte Kartenbuchung: Grottenschlechter eFinance Kundenchat

Es ist die Nacht vom 1. auf den 2. November 2025: Nach einer feuchtfröhlichen Hochzeitsfeier in der Silo Lounge besteige ich am Loeb-Egge ein Taxi („Edimo Worb“), welches mich nach Neuenegg fahren soll.

Bei meinem Übernachtungsort angekommen zeigt der Taxometer 89.70 CHF und ich bezahle den Taxifahrer über sein SumUp-Gerät mit meiner virtuellen PostFinance Card über Apple Pay.

Der Taxifahrer sagt mir, dass die Überweisung nicht funktioniert hätte — obwohl ich auf dem iPhone auf dem Bildschirm die entsprechende Mitteilung erscheint. Da ich nicht für Diskussionen aufgelegt bin und nur noch Schlafen gehen will, zücke ich meine PostFinance Card und bezahle mit der physischen Karte. Das scheint zu klappen, der Taxifahrer entlässt mich in die dunkle Nacht.

Ein paar Wochen später erfasse ich meine Ausgaben in der Buchhaltung. Dabei fällt mir die doppelte Transaktion von meinem PostFinance-Konto auf. Mist.

Die Buchungen sagen beide Male:

KAUF/DIENSTLEISTUNG VOM 02.11.2025
KARTEN NR. XXXX1234
SUMUP *EDIMO TAXI
WORB (CH)

Mit dem SumUp-Gerät gab es mangels Drucker natürlich keine Papierquittung, und ich habe auch keine handgeschriebene Quittung verlangt (wer macht das schon?).

Erste Idee: Ich kontaktiere das Taxi-Unternehmen, und bitte um die Rückerstattung einer der Transaktionen. Leider findet sich über Google weder eine Homepage, noch eine Geschäftsadresse. Ich finde auf einer Website einen jungen Fussballspieler in Worb lautend auf diesen Familiennamen, doch das Match-Resultat FC Schwarzenburg / Rüschegg gegen SC Worb ist datiert auf den 21. Mai 2014. Jahre in der Vergangenheit. Und vermutlich — falls überhaupt verwandt — handelt es sich um den Sohn des Taxifahrers, denn der Taxifahrer war älter als ich, sprich war 2014 sicher nicht in einem Juniorenteam unterwegs. Mehr finde ich auf die schnelle über Google nicht. Auch das SHAB findet nichts für „edimo“.

Nun gut, der grosse Vorteil von Kartenzahlungen: Man kann sich an seine Bank wenden und die Zahlung beanstanden. Ich öffne PostFinance eFinance im Browser, und gehe in den Chat. Über mehrere Tage versuche ich dort vergebens, meinem Anliegen das richtige Gehör zu verschaffen. PostFinance sieht kein Anlass, aktiv zu werden, und bittet mich, mit dem Taxi-Unternehmen Kontakt aufzunehmen:

Da der Betrag zweimal ordentlich abgebucht wurde, können wir die Zahlung nicht automatisch stornieren. Am besten nehmen Sie mit dem Taxiunternehmen Kontakt auf. Falls das zu nichts führt, können Sie eine Nachforschung für die doppelte Zahlung in Auftrag geben, damit wir das Geld zurückverlangen können.

Ich erläutere dem Kundendienst, dass ich keine Telefonnummer, Email-Adresse noch eine Homepage gefunden habe, und ich deshalb nicht mit dem Taxi in Kontakt treten kann. Der Kundendienstmitarbeiter des Tages antwortet mir, dass ich in dem Fall einen Nachforschungsauftrag stellen müsse. PostFinance werde „nachforschen“, mit einem für mich unklaren Ziel (die Kontaktangaben des Taxiunternehmens ausfindig zu machen, mir mitzuteilen, damit ich dann mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen kann, um vielleicht mein Geld zurück zu erhalten?).

Sie können eigenständig im E-Finance eine Nachforschung veranlassen. Gehen Sie dazu wie folgt vor:

  • Klicken Sie im Menü «Home» in der Kachel «Bewegungsübersicht» zuerst auf das gewünschte Konto und anschliessend auf «Alle Bewegungen»
  • Wählen Sie die Zahlung vom 28. Dezember 2022 an, damit die Bewegungsdetails angezeigt werden
  • Danach klicken Sie ganz unten auf „Nachforschung“
  • füllen Sie die Nachforschungs-Maske aus und klicken auf den gelben Button «Senden»

Bitte beachten Sie, dass bei einer Nachforschung eine Gebühr von CHF 30.00 (Ausland CHF 60.00) anfällt und diese mehrere Wochen dauern kann.

Problem: 30 Franken Nachforschungsgebühr? Bei einem zu rückerstattenden Betrag von 90 Franken sind 33 Prozent Kosten weit über meiner Schmerzgrenze.

Ich werde stinkig und mache meinem Ärger Luft: Ich sei Kunde der Bank, bezahle Kontogebühren, aber in diesem offensichtlichen Fall erhielte ich keine Unterstützung.

Der Person am anderen Ende scheint dies egal zu sein. Meine Vermutung: Am anderen Ende sitzen Lehrlinge (Gen Z, „Kunde droht mit Arbeit“, oder schlichtweg überfordert mit solchen Anfragen), oder noch schlimmer, ins Ausland outgesourcte Kundendienstmitarbeiter.

Letzter Versuch: Ich nehme mit SumUp Kontakt auf. Der Hersteller des Terminals, über welches der Betrag doppelt abgebucht wurde. SumUp muss den Besitzer des Terminals kennen, da zwischen SumUp und ihm ein entsprechender Vertrag geschlossen wurde (soviel verstehe ich noch von meiner Zeit bei der SIX Group). Die PostFinance hat keinen Kontakt mit dem Taxiunternehmer, sondern hat einen Vertrag mit mir, und noch mit MasterCard, über welche das Geld geflossen ist (oder?). SumUp bestätigt den Erhalt der Anfrage, und meldet sehr rasch, dass sie mir nicht weiterhelfen können, und ich mich an die kartenherausgebende Bank melden soll. Toll, zurück zum Start.

Ich gehe noch einmal in den Chat, melde dies PostFinance zurück, worauf mir erneut gesagt wird, dass ich einen Nachforschungsauftrag stellen müsse. Ich beschwere mich lauthals und frage, wo ich ein Beschwerdeformular finde, um eine Transaktion zu beanstanden. Der Chat-Mitarbeiter versteht nicht, was ich suche, und kann mir nicht helfen.

Gefrustet verlasse ich den Chat. Dann die Erleuchtung: Ich Idiot! Was, wenn PostFinance das Formular öffentlich zum Download anbietet? Und siehe da, wenige Sekunden später finde ich folgende Web-Seite:

Transaktion beanstanden

Dort kann ich auswählen:

  • Missbräuchliche Buchungen nach Kartenverlust oder Kartendiebstahl. Beanstandungsformular ausschliesslich für missbräuchliche Buchungen nach physischem Kartenverlust/Kartendiebstahl. 01748_00_de.pdf
  • Nicht gerechtfertigte Belastungen. Beanstandungsformular für nicht gerechtfertigte Belastungen. 01620_00_de.pdf
  • Beanstandungsformular für missbräuchliche Buchungen ohne physischen Kartenverlust/Kartendiebstahl. 01747_00_de.pdf
  • Missbräuchliche PostFinance Pay Belastungen. Formular Beanstandung missbräuchlicher Transaktionen PostFinance Pay. 01822_de.pdf

Der Fall war klar: Beanstandungsformular für nicht gerechtfertigte Belastungen (Dierktlink auf das PDF) war das gesuchte Formular.

Zwischenfrage: Wieso hat mich der Kundensupport via Chat nicht auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht? Ist das primäre Ziel, Kunden abzuwimmeln?

Das Problem: Mittlerweile war es nach Weihnachten, und das Formular sagt klar:

Nur wenn Sie innerhalb von 30 Tagen ab Datum der Avisierung (Kontoauszug, Lastschriftenanzeige usw.) die Transaktion schriftlich beanstanden, können wir beim betreffenden Unternehmen Einsprache erheben.

Doch dann realisierte ich: Der Kontoauszug mit der zu beanstandenden Buchung wurde am 1.12.2025 generiert, somit hatte ich noch bis Ende Jahr 2025 Zeit, um meine Beanstandung vorzubringen. Das tat ich auch — der Brief ging kurz vor Torschluss am 30. Dezember 2025 auf die Post.

Am 18. Februar 2026 erhielt ich endlich eine Antwort von Postfinance:

Ihre PostFinance Card kombiniert mit Debit Mastercard – Beanstandung abgeschlossen

[…] Die Prüfung des Sachverhaltes konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Der Betrag wurde Ihnen
am 18.02.2026 gutgeschrieben. Bei Fragen sind wir gerne für Sie da. […]

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Samstag, 14. Februar 2026

Thailändische Geburtsurkunde in Bangkok erhalten, beglaubigen, übersetzen und auf der Botschaft einreichen (plus: Thailändischen Pass)

Dieses „LucasFilm Adventure“ habe ich in den letzten drei Wochen persönlich durchgespielt.

Geburt: Zuständige Amphoe

Das Bezirksbüro des Bezirks, in welchem der Geburtsort liegt, stellt die Geburtsurkunde für ein Neugeborenes aus. Unser Spital liegt in der Provinz Samut Prakan (gleich neben Bangkok), und der Bezirk ist Bang Phli, somit war folgendes Bezirksbüro zuständig:

Bang Phli District Office ที่ว่าการอำเภอบางพลี

Was für mich immer noch nicht klar ist: Wird sowohl der Bezirk Amphoe genannt, wie auch das Bezirksbüro?

Geburt registrieren

Das Privatspital hat sich um das Administrative gekümmert, sprich den gewünschten Namen des Kindes sowie alle nötigen Dokumente wie Kopie der Thai ID, Schweizer Pass, usw. usf. eingefordert, dann einen Mitarbeiter ins Bezirksbüro geschickt, der die gewünschten Parameter durchgab, die Geburtsurkunde in Empfang nahm, und zurück ins Spital brachte.

Tipp: Die englische Übersetzung bei der Entgegennahme pingelig genau durchlesen, um Schreibfehler zu entdecken. Hätten wir den Schreibfehler gleich zu dem Zeitpunkt entdeckt und bemängelt, wäre dessen Korrektur hoffentlich nicht unser, sondern das Problem des Spitals gewesen. Obwohl das Bezirksbüro dann bereits geschlossen gewesen wäre.

Geburtsurkunde: Schlüsseldokument

In Thailand nennt man die Geburtsurkunde Sutibat. Amtlich heisst die Urkunde Tho. Ro. 1.

Die Geburtsurkunde wird grundsätzlich ein einziges Mal ausgestellt, und es kann nur eine Urkunde im Umlauf sein. Sie ist hier ein extrem wichtiges Dokument, zu dem man Sorge tragen muss. Ich bewahre sie in einem Ordner in einer Sichtmappe auf, und zwar einer starren, verstärkten PVC-Version, die man auch für Restaurantmenus verwendet. Meine Freundin wollte das Ding laminieren (verständlich, auf Grund der Wichtigkeit des Dokuments), doch im Internet wird stark davon abgeraten. Die Beamten hier scheinen das nicht zu mögen, respektive wollen das Papier selber fühlen, wenn man das Dokument vorlegen muss.

Verliert man die Geburtsurkunde, muss man das der thailändischen Polizei melden und auf dem Bezirksbüro vorsprechen, um eine neue Urkunde zu erhalten.

Angabgemäss kann man die Urkunde auch auf thailändischen Botschaften anfordern, wenn man im Ausland wohnt? Ausprobieren möchte ich das aber lieber nicht.

Geburtsurkunde: Lateinischer Name

Die Geburtsurkunde wird auf Thailändisch ausgestellt. Startet man mit einem westlichen Namen, wird dieser dem Laut nach in das Thailändische übersetzt und entsprechend eingetragen.

Wie dieses Mapping von sich geht, entzieht sich meiner Kenntnis — ich gehe davon aus, dass dies primär vom Beamten abhängt, insbesondere bei ungewöhnlichen Namen.

Wir bekamen zusammen mit der Geburtsurkunde automatisch auch noch eine englische „certified copy“ der Geburtsurkunde über. Dort steht der lateinische Name drin.

Auf Grund von Verständigungsproblemen empfehle ich, den gewünschten Namen in Lateinisch aufzuschreiben, auszudrucken, ins Spital mitzunehmen, und dann der Person auszuhändigen, welche die Geburt auf dem Bezirksbüro meldet. Insbesondere wenn es nicht gängige Schreibweisen sind.

Selbst mit einem Screenshot via Line gab es dann aber immer noch ein hin- und her, bis der Vater (ich) seinen Wunsch-Mittelnamen auch tatsächlich eingetragen erhielt.

Exkurs: Pass

Als wir wenige Tage später per Zufall im Passbüro landeten und uns kurzerhand entschieden, einen Pass erstellen zu lassen, wurden wir gebeten, den lateinischen Namen auf Papier aufzuschreiben. Entweder hat das Passbüro keinen Zugriff auf die englische Übersetzung der Geburtsurkunde, oder deren Inhalt ist für die Passerstellung komplett irrelevant. Wenn ich es richtig verstanden habe, hätte ich irgendeinen lateinischen Namen aufschreiben können (natürlich nicht probiert, empfehle ich auch nicht, denn: wer will das schon).

Auf jeden Fall stellt ich sicher, dass der Name im Pass mit dem Namen auf der englischen Kopie der Geburtsurkunde übereinstimmt. Alles andere führt über kurz oder lang zu Problemen, davon bin ich überzeugt.

Geburtsurkunde: Englische Übersetzung mit Schreibfehler

Ich konnte es kaum glauben, aber es war so: Das Bezirksbüro hat es tatsächlich geschafft, den thailändischen Familiennamen meiner Freundin für die „certified copy“ nicht korrekt ins Lateinische zu übersetzen: aus „muang“ wurde „maung“. Nicht gut.

Die „original certified copy“ kann so nicht vom Aussenministerium beglaubigt werden. Der Mitarbeiter, welcher bei der Entgegennahme des Auftrags die Thai ID mit der Urkunde vergleicht, hat den Schreibfehler sofort erkannt.

Die Anpassung der Übersetzung war glücklicherweise kein grosses Problem und wurde von den Beamten sofort vorgenommen — aber: Wir mussten dafür selber zum Bezirksbüro fahren, vorsprechen, warten, bezahlen (20 THB), und konnten dann die neue Version der Kopie in Empfang nehmen (mit neuem Ausstellungsdatum). Das hat uns locker einen halben Arbeitstag gekostet.

Geburtsurkunde: Beglaubigung

Die thailändische Geburtsurkunde an sich hat im Verkehr mit ausländischen Staaten keine Gültigkeit. Damit diese von Botschaften als legale Urkunde akzeptiert wird, muss diese nun noch vom thailändischen Aussenministerium beglaubigt werden.

Andere Wörter dafür: Legalization. Certification. Ich bin nicht sicher, ob es sich auch um eine Überbeglaubigung handelt.

WICHTIG: Die Urkunde selber kann nicht beglaubigt werden. Sie ist aber vorbeizubringen. Zu Hause oder in einem Copy Shop erstellt man vor dem Besuch die gewünschten Anzahl Kopien der Urkunde (schwarz-weiss ist in Ordnung), und bringt diese zur Aussenstelle mit. Diese Kopien erhalten im Prozess dann auf der Rückseite einen Kleber mit Unterschrift und QR-Code, um die Authentizität zu verifizieren.

Bequemster Standort

Die uns nächstgelegene (und mit dem öffentlichen Verkehr bestens erschlossene) Aussenstelle des Aussenministeriums befindet sich in der centralwOrld Shopping Mall, Sektor D, Stock 6, sprich in der nordwestlichen Ecke des Komplexes, leicht versteckt hinter einigen Baby- und Kinderläden:

สำนักงานสัญชาติและนิติกรณ์ ปทุมวัน The Legalization Office, Pathumwan

Online Terminbuchung

Wenn man Beglaubigungsaufträge hat, muss man zuerst online einen Termin buchen: qlegal.consular.go.th

Dabei gibt es Expresstermine, bei welchen der Auftrag noch am selben Tag erledigt wird. Das bedingt, dass man am Vormittag an der Aussenstelle ist (zwischen 10 und 12 Uhr), und ab 15 Uhr kann man das beglaubigte Dokument abholen kommen (es gibt kein Email, SMS oder dergleichen, welches einem mitteilt, dass der Auftrag erledigt ist). Die Kosten für die Beglaubigungen verdoppeln sich dabei von 200 auf 400 THB, sprich auf ca. 10 Franken pro Dokument.

Bucht man einen Regulären Termin, kann man auch am Nachmittag erscheinen. Die Bearbeitungszeit beträgt dann zwei Werktage, d.h. wenn man den Auftrag am Montag aufgibt, kann man das Dokument ab Mittwoch 10 Uhr (Öffnungszeit der Aussenstelle) abholen kommen.

Tipp: Es können mehrere Buchungen (in Serie) gemacht werden. Meines Wissens jeweils eine Express- und eine reguläre Buchung pro Woche. Ich habe davon Gebrauch gemacht, als ich das Problem mit der englischen Übersetzung realisierte. Die Slots buchen sich jeweils recht schnell aus, weshalb es (leider) Sinn macht, einen Backup-Termin in der Tasche zu haben. Ich wählte den regulären Termin zwei Tage nach dem Express-Termin, womit wir einen ganzen Tag zur Verfügung hatten, um allfällige administrative Reisen zu Ämtern zu unternehmen.

Prozess vor Ort

Zuerst stellt man sich (trotz QR-Code) in die Schlange des Inquiry-Schalters. Ist man an der Reihe, zeigt man den QR-Code, weist man sich mit der Thai ID aus, trägt sein Anliegen vor. Der Mitarbeiter erfasst einen dann im System und man kriegt einen Code für die eigentliche Warteschlange zu. Dann heisst es: Warten. Auf Bildschirmen sieht man, wie viele Personen in der Schlange vor einem sind.

Ist man an der Reihe, geht man zum aufgerufenen Schalter, spricht noch einmal vor, übergibt die Dokumente. Der Mitarbeiter überprüft das Dokument per Auge auf Gültigkeit. Dann wird der Auftrag notiert, eine Abholquittung erfasst und gedruckt, eine Kopie der Thai ID angefertigt, mit Unterschrift des Auftraggebers versehen.

Anschliessend geht man zum Cashier Schalter und bezahlt die Dienstleistung — entweder mit Bargeld, oder mittels QR-Code (was die meisten Ausländer ausschliesst).

Status überprüfen

Auf dem Abholschein befindet sich ein QR-Code. Diesen kann man mit der iPhone-Kamera scannen, und er leitet einen auf eine zweisprachige Website weiter, wo man den Status der Bestellung überprüfen kann.

Abholung

Am kommunizierten Tag und ab der kommunizierten Stunde kann man wieder an die Aussenstelle pilgern, und das Dokument abholen. Wichtig dabei: Die Statusseite im Internet sagt nichts von „abholbereit“. Davon darf man sich nicht täuschen lassen.

Mit dem Abholschein geht man zum Abholschalter, die Mitarbeiter prüfen den Abholschein und händigen das Dokument aus. Bei der Abholung der zertifizierten englischen Übersetzung wollte die Dame meinen Pass nicht sehen — der Abholschein war „Beweis“ genug, dass ich der rechtmässige Auftraggeber war.

Beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde übersetzen

Nun hat man also eine oder mehrere beglaubigte Kopien von Geburtsurkunden.

Ich entschied mich, gleich drei Kopien beglaubigen zu lassen, weil die Kosten vernachlässigbar sind im Vergleich, dass man für die Legalisierung locker wieder einen halben oder ganzen Arbeitstag investiert.

Ich wählte Express Translation Service in Phloen Chit, welche über einen Drittanbieter bereits meine eigene Geburtsurkunde auf Thailändisch übersetzt hatten:

Express Translation Service & Travel

Dieses Unternehmen ist optimal gelegen zwischen Aussenministerium (centralwOrld, BTS Chit Lom) und der Schweizerischen Botschaft (ebenfalls Nähe BTS Phloen Chit).

Der Kontakt war schnell und effizient via WhatsApp: +66 84 656 2459. Nach der ersten Kontaktaufnahme wurde ich auf eine andere WhatsApp-Nummer „weitergeleitet“, ich gehe davon aus, dass es sich dabei um das Telefon meines persönlichen „Account Managers“ handelte.

Kostenpunkt: 1100 THB (ca. 28 CHF) für eine Übersetzung (inwiefern dieser Preis ad-hoc, nach Tagesform, festgelegt wird, weiss ich nicht). Weil nach Auftragsvergabe entschied zwei weitere Kopien der Urkunde beglaubigen zu lassen, und ich dem Übersetzungsbüros wegen des bereits fixierten Botschaftstermins weniger als 24 Stunden gab für die Übersetzung der drei Stempel, erhöhte sich der Preis um 1200 THB auf total 3200 THB. Angesichts des Frankenbetrags, der schnellen Reaktion, und des freundlichen Umgangs verzichtete ich auf Diskussionen und jedewelche Preisverhandlungen. Ich war einfach froh, hatte alles im eng gesteckten Zeitrahmen geklappt.

Alternative: Jemand anderes machen lassen

Thailand wäre nicht Thailand wenn man die obigen Schritte nicht outsourcen lassen könnte. Übersetzungsbüros übernehmen gerne den ganzen Prozess, sprich man übergibt die Geburtsurkunde, sie gehen sie beglaubigen, und übersetzen sie dann.

Einreichung der Geburtsurkunde auf der Schweizerischen Botschaft (Konsulat)

Hat man die Geburtsurkunde im Original, eine (oder mehrere) vom thailändischen Aussenministerium zertifizierte/beglaubigte/legalisierte Kopien, sowie eine deutsche Übersetzung, ist man bereit für den Besuch auf der Botschaft.

Auch hier gilt: Man kann da nicht einfach auftauchen (verständlich), sondern bucht einen Termin für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Stunde (meines Wissens Montag bis und mit Donnerstag, 9 bis 12 Uhr).

Dies tut man hier: Embassy Online Appointment

Zur gebuchten Zeit spricht man am Empfang vor, wird (hoffentlich) auf der Liste des Tages gefunden, markiert, erhält pro Person einen Badge, der gut sichtbar getragen muss. Danach geht es durch den Metalldetektor. Im Innenhof gibt es einen Kiosk, mit welchem man den QR-Code der Buchung scannt, und man erhält eine Nummer. Im Innenhof der Botschaft wartet man dann im Schatten an der freien Luft, bis die Nummer aufgerufen wird. Dann geht es in das Gebäude, und man spricht am zugewiesenen Schalter mit dem Botschaftspersonal.

Thailändischen Pass

Ursprünglich wurde uns vom Legalisierungs-Service gesagt, dass wir die fehlerhafte englische Übersetzung der Geburtsurkunde bei einer Behörde im nahegelegenen MBK Center im 5. Stock anpassen könnten:

Passport Office – Pathum Wan

Das erwies sich als falsch: Als wir im Passbüro eintrafen, beschied man uns, dass die Korrektur nur beim herausgebenden Bezirksbüro veranlasst werden könne.

Da wir aber gerade im Passbüro waren, insistierte ich, dass wir für die Kleine doch gerade einen Pass bestellen. Nach ein paar ausgefüllten Formularen, der Grössenmessung des Babies und eines fürchterlichen Photos war alles rasend schnell erledigt.

Babies sind die Attraktion dort, zu Spitzenzeiten war unser Booth von vier zusätzlichen Mitarbeiterinnen umzingelt, die den „Farang Noi“ bestaunten.

Anschliessend nur noch den Passauftrag am Cashier-Schalter bezahlen, und danach am gleich nebenanliegenden Post-Schalter die Briefsendung bezahlen. Auf der Quittung war sowohl die Passnummer als auch die Sendungsnummer aufgedruckt. Zwei Tage später kam der Pass im Juristice Office in unserem Tower an.

Spannend: Der Pass ist jetzt fünf Jahre lang gültig.

Abschliessende Worte: Vaterschaft

Trotz all dieser Behördenläufe muss man sich bewusst sein, dass man aus rechtlicher-thailändischer Sicht (noch) nicht als legaler Vater anerkannt ist. Stand jetzt ist die Mutter die alleinige Erziehungsberechtigte des Kindes.

Das Einfachste in dieser Situation ist die Heirat (geplant, aber aus Gründen derzeit noch nicht möglich), viel komplizierter (aus denselben Gründen) wäre ein Gerichtsverfahren. Sowieso: Heiratet man vor der Geburt so dass die Ehe sowohl in der Schweiz und Thailand anerkannt ist, kann man sich viel Aufwand sparen, und hat die rechtliche Sicherheit, die man (normalerweise) als Vater gerne hätte.

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Freitag, 2. Januar 2026

Crans Montana: Einige Gedanken zur Tragödie

Auf Twitter geht der Spruch bereits um: Nach Immigrationsexperten im 2015 waren wir plötzlich alle Virologen, dann Kriegsführungsexperten, und seit dem 1. Januar 2026 morgens sind wir nun alle Brand(verhütungs)experten.

Trotzdem wage auch ich mich auf die Äste hinaus: Ich vermute, dass die Untersuchung der Tragödie für viele Akteure ungemütlich werden wird — ich befürchte (wie üblich) Versagen auf verschiedensten Ebenen, mit unterschiedlichster Motivation:

  • Club-Betreiber: Profit über Sicherheit (wetten?). Vorgaben zur Einlasskontrolle, sowohl bezüglich der absoluten Menge der Leute im Keller (eh, Club), aber auch weil gemäss einer Aussage Minderjährige im Club waren. Schulung des Personals und der Security für Brandfälle (auf einem Video sieht man, wie jemand mit einem Küchentuch versucht, das Feuer des brennenden Schaumstoffs zu ersticken). Vorhandensein von brauchbarem Löschgerät. Einbau von schnell brennbarem, lärmabsorbierendem Schaumstoff an der Decke: Unfall, oder bewusst?
  • Security: Rasche Reaktion, und noch wichtiger: Das richtige Tun! Sprich: Ruhe bewahren, sofortige Evakuation, Ausgänge frei machen. Viele Feld-, Wald und Wiesen-Sicherheitsfirmen und das von denen rekrutierte Personal willst du in solchen Situationen nicht in Entscheidungsfunktionen haben.
  • Architekten, Baufirmen: Einhaltung von Brandvorschriften bei der Planung, dem Kauf und dem Einbau von Material. Abschlusskontrolle (wurde effektiv das Material verbaut welches auch „verkauft“ wurde?).
  • Gemeindebehörde (bspw. Bauverwaltung, Brandinspektion): Baubewilligungen, Abnahmen, regelmässige Kontrollen.
  • Feuerwehr: Rasche Reaktion, das richtige Tun; Hilfe bei Evakuation, um möglichst rasch möglichst viele Leute in Sicherheit zu bringen

Ob dies zu Verhaftungen, Verurteilungen und unbedingten Geldstrafen oder sogar Gefängnis für gewisse Akteure führt, weiss ich nicht, befürchte aber, dass das wie üblich nicht so einfach geahndet werden kann wie ein Ladendiebstahl.

Ich glaube dass mit dieser Tragödie das Clubben in Crans-Montana über Nacht deutlich sicherer geworden ist. Ich bin mir fast sicher, dass spätestens ab Montag die Behörden hyperaktiv alle gefährdeten Etablissements abklappern, Baumängel monieren werden und gegebenenfalls Clubs schliessen, wenn diese Brandvorschriften nicht einhalten. Schön, aber der Preis für diese (endlich) neu gewonnene Sicherheit sind über vierzig Menschenleben.

Auf jeden Fall würde ich bereits jetzt mal Pässe einziehen, und Büroräumlichkeiten versiegeln, um Dokumente sicherzustellen.

Die Frage, die ich nicht beantworten kann: Wäre ich bei der ersten Flamme aus dem Club gerannt, oder hätte ich wie viele Gäste das Smartphone gezückt … und gefilmt?

Zwei persönliche Randbemerkungen:

Been there, done that. Vor 15–25 Jahren, in meinen 20ern, hätte ich durchaus auch in solch einem Schuppen Neujahr gefeiert. Für einige Jahre waren wir Kollegen jeweils zu Neujahr in Haute-Nendaz und feierten jeweils im dortigen Trappiste (ob es den Laden noch gibt?). Das Interieur: viel, viel Holz, einem nordamerikanischen Chalet nachempfunden. Immer vollgepackt mit Partyvolk aus aller Welt. Das Wildeste, was wir dort geschafft haben: Einer von uns tanzte zu feuchtfröhlicher Stunde auf dem Tisch, fiel runter, schlug sich den Kopf auf, und musste dann nach Sion ins Spital gefahren werden, um vom Notarzt als erste Person im neuen Jahr genäht zu werden.

Exactly been there. Ein Blick in meine Photos.app zeigt übrigens, dass ich am 20. Mai 2020 mit Kollegen in diesem Laden (Le Constellation) eingekehrt bin. Ich kann mich erinnern, dass ich mir auf der Pergola an der frischen Luft ein Guinness gegönnt habe. An den Keller kann ich mich nicht erinnern, obwohl es sein könnte, dass ich während des Umtrunks auf die Toilette gegangen bin (die Toilette könnte sich aber auch im Erdgeschoss befunden haben, ich weiss es schlicht nicht mehr):

Nachtrag

Inside Paradeplatz hat eine Menge Artikel veröffentlich, die meines Erachtens bereits ein ziemlich gutes Bild der Situation zeichnen:

Mal schauen ob im Bergler-Söihäfeli-Söidecheli-Filz bald aufgeräumt wird, oder ob sie (wieder) einmal davonkommen.

Nachtrag 2

Am 5. Februar 2026 wurde brandschutzmässig erstmals (!) durchgegriffen: Mängel beim Brandschutz: Golf-Hotel in Crans-Montana wird geschlossen – per sofort!. Zu spät für die mittlerweile 41 Todesopfer. Aber immerhin kommt im Schneckentempo Bewegung in die Sache.

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Dienstag, 23. Dezember 2025

IKEA Schweiz Online-Shop: Falle bei der Erfassung von Gutscheinen

Gestern passiert: Ich wollte im IKEA Schweiz Online-Shop einen 50 Franken Gutschein einlösen, welchen ich mir vor zwei Wochen beim Sonntagsverkauf im IKEA Spreitenbach „verdient“ hatte, indem ich Ware für über 250 Franken eingekauft hatte.

Ich klickte mich also durch den Bestellvorgang, gab den Gutscheincode und den PIN ein. Doch bevor ich die Bestellung auslöste, fiel mir ein, dass ich ja auf Grund meines kürzlichen Umzugs noch einen 20 Franken Rabattcode erhalten hatte. Rabattcodes muss man ganz zu Beginn des Bestellprozesses eingeben, während Gutscheine erst beim Bezahlungsschritt erfasst werden können.

Somit zurück zum Start, indem ich auf das IKEA-Logo oben links klickte. Ich begann erneut im Warenkorb, gab den Rabattcode ein, 20 Franken wurden mir sofort abgezogen. Ich spielte den Bestellprozess erneut durch, doch oh Schreck: Der Gutscheincode wurde nicht (mehr) akzeptiert. Was zum Teufel?!

Unterhalb der Eingabe des Gutscheincodes las ich plötzlich:

Bitte beachte, dass der Betrag bis zur Bestellung (4 Stunden) auf der Karte reserviert wird.

Ich verliess somit die Web-Site, und öffnete sie am anderen morgen wieder. Ich spielte alles noch einmal durch, und dann wurden sowohl der Rabattcode, als auch der Gutschein akzeptiert.

Kundenunfreundlich. Da muss es doch eine andere Lösung geben, als einen Gutscheincode für vier Stunden zu blockieren …

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Dienstag, 25. November 2025

Die Verhandlungs- und Vertragsprofis zu Bundesbern

Wöchentlich oder gar täglich kommen neue Schmankerl aus dem Rahmenvertrag ans Licht.

Lustig ist es inbesondere dann, wenn die Verhandler und EU-Befürworter in der Schweiz kritischen Zeitgenossen erklären, dass Dinge, die im 1800-seitigen Vertrag nicht explizit und klipp und klar, sprich ohne Interpretationsspielraum, festgehalten sind, sicherlich nie zu unserem Nachteil führen werden, und von Gerichten auf gar keinen Fall gegen unsere Gunsten ausgelegt werden.

Das hatten wir doch kürzlich bereits einmal: Bundesbern war sich — auch noch gestützt auf ein Gutachten einer renommierten Kanzlei — hundertzwanzig Prozent sicher, den neuen F-35 Kampfjet zu einem Fixpreis gekauft zu haben. Wie das herausgekommen ist, wissen wir ja.

Bundesbern, der Hort der völlig überbezahlten Verhandlungs- und Vertragsprofis.

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Sonntag, 9. November 2025

Blick: Reisserische Schlagzeilen, wichtige Details tief in den Paragraphen versteckt

Zwei Fälle als Anschauungsbeispiel.

Schock in der Kaserne Lenzburg: Kommandantin rastet aus – und schlägt auf Rekruten ein

Link zum Artikel

Nein aber auch! Skandal! Wie konnte sie nur.

Selbst wenn man den Einleitungstext liest, hat man grösstes Mitleid mit den Opfern, und es brodelt in einem der Hass auf die Prügelfrau hoch.

Erst im vierten Paragraphen liest man: „Sie [die später verprügelten Rekruten] hielten bei einer Tankstelle, um sich ein Bier zu kaufen, was nicht erlaubt ist, […]“.

Da ich mittlerweile zu alt für diesen Billig-Journalismus bin (darf man das überhaupt noch „Journalismus“ nennen?), habe ich konsequenterweise nach diesem Satz aufgehört zu lesen.

Angela Rosser, die Blick-„Journalistin“, hätte wohl als Reaktion darauf lieber gesehen, wenn die Soldaten, die sich nicht an Befehle, das Gesetz und den gesunden Menschenverstand gehalten haben, zu vier Tagen Klangschalen-Therapie verdonnert worden wären.

3 Kinder und 4 Erwachsene liefern sich wilde Schlägerei im Bezirk Bremgarten AG – die Strafen sind saftig «Ich half nur meinen Töchtern, als sie von einer fremden Mutter verprügelt wurden!»

Link zum Artikel

Hier ein weiteres Glanzstück, welches aufzeigt, was in unseren Medien schief läuft: Im elften Paragraphen erfahren wir, dass es sich bei der prügelnden Mutter um eine Kubanerin handelt.

Und Ralph Donghi, Blick-„Journalist“, wagt es nicht einmal, dies selber so festzuhalten. Es wird der angeklagte und verurteilte Raufhändler zitiert. Offenbar wäre es berufsgefährdend, wenn man das einfach so in den Artikel schreiben würde. Indem man es in ein Zitat verpackt, ist man als „Journalist“ fein raus.

Ich finde: Die Herkunft der Täterschaft (sprich: Ausländer, Eingebürgerter oder gebürtiger Schweizer) ist in allen Artikeln zu Strafverfahren an erster Stelle zu nennen.

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Sonntag, 9. November 2025

Tamedia Kundendienst unkompliziert per Email erreichen

Auf den Websiten der Produkte des Verlags findet man dem Zeitgeist entsprechend nur Hilfeartikel, Chatbots (mit der Option, an einen Kundendienstmitarbeiter zum Live-Chat weiterverbunden zu werden, wenn man zuerst unzählige Fragen beantwortet hat), und eine Telefonnummer.

Auf Grund einer früheren Interaktion mit dem Kundendienst fand sich in meinem Email-Archiv aber eine auch heute, im November 2025, gültige Email-Adresse des Kundendiensts:

customerservice@tamedia.ch resp. heute customer.service@tamedia.ch

In einem Email habe ich mein Anliegen, welches keiner Rückfrage respektive der Intervention eines „Retention-Spezialisten“ bedurfte, am 1. November geschildert. Umgehend kam ein Auto-Reply mit einer Bearbeitungsnummer zurück. Am 7. November dann lag die Antwort eines Menschen im Briefkasten.

Übrigens: Gemäss Email-Header verwendet Tamedia für die Verarbeitung von Kundenanfragen Salesforce, und die Salesforce Entity ID von Tamedia müsste gemäss Header X-SFDC-EntityId: 500TE00000OQ3B1 lauten.

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Sonntag, 5. Oktober 2025

Meine (knappen) Gedanken zu Schweizerischen E-ID

Nun ist sie also da, die Gesetzgebung zur Schweizerischen E-ID.

Vor der Pandemie hätte ich dem Anliegen bedenkenlos zugestimmt. Seit dem Irrsinn der Pandemie ist alles anders. Ich habe klar Nein gestimmt, doch leider haben in der äusserst knappen Abstimmung ungefähr 10’000 Stimmende den Ausschlag für die Einführung einer E-ID gegeben. Immerhin: Die E-ID und die Infrastruktur dahinter wird im Gegensatz zur ursprünglichen Vorlage von der Schweizerischen Eidgenossenschaft entwickelt und betrieben. Beruhigend, aber nicht erlösend. Der Betreiber kann ein Problem sein, das grössere Problem ist nun aber einmal die eigentliche Existenz einer E-ID.

Einen der Exponenten des Anliegens kenne ich, da ich vor langer, langer Zeit in einer von ihm gegründeten Firma angestellt war. Sein Dialekt gefällt mir, denn er spricht fast wie mein Vater und meine Verwandschaft väterlicherseits.

Ich unterstelle den Digital-Politikern hinter der Vorlage keine böswillige Absicht, und glaube, dass sie einerseits alle Identifikationsprozesse (Authentifizierungsprozesse) in unserem Alltag vereinfachen, aber gleichzeitig den Datenschutz gewährleisten wollen. Unsere Legislative kann froh sein, haben zumindest einige Personen dort Ahnung von Informationstechnologie.

Nichtsdestotrotz, meine Prognose: Trotz vollumschwänglicher Beteuerungen der Befürworter hat die Mehrheit der Stimmenden den Weg geebnet für Folgendes:

  • Die E-ID wird zwingend werden. Die Erstellung und der Besitz einer E-ID, derzeit noch „freiwillig“, wird zwingend werden. Jeder Bewohner des Landes wird eine solche ID besitzen müssen, um im Alltag zu überleben und grundlegendste Dinge zu tun: Arbeiten, einkaufen, Finanztransaktionen durchführen, im Inland und ins Ausland reisen; sie wird verlangt werden beim Mieten von Wohnungen, Polizeikontrollen, bei Arzt- und Spitalbesuchen, bei der Steuererklärung, bei der Ein- und Auszahlung von Sozialversicherungen usw. usf.
  • Die E-ID wird „zweckentfremdet“ werden. Wir werden uns dem Zustand der staatlichen Überwachung und Lenkung in China annähern. Beispielsweise …
    • … in der nächsten „Pandemie“, wenn wieder zwischen unterwürfig geimpften und ungeimpften „Schwurblern“ unterschieden und die Menschenrechte der Letzteren „zur Sicherheit aller“ eingeschränkt werden.
    • … online, wenn wir Web-Dienste nutzen wollen und die Betreiber zunehmend verpflichtet werden, die eindeutige Identität eines Benutzers zu kennen.

Als ich gegenüber einem Bekannten meinen Unmut über den Ausgang der Abstimmung bekannt machte und meinte „Sie werden die E-ID missbrauchen“, fragte er mich „Wen meinst du mit ’sie‘?“. Seine Frage war klar gerichtet, weil er gewissen Meinungsströmungen nicht abgeneigt ist, die überall und andauernd eine Weltverschwörung von Bill Gates, Soros, den Rothschilds und der Freimaurer wittern.

Nun, nein, davor habe ich nicht Angst, und kann solchen Verschwörungstheorien nichts abgewinnen. Mit „sie“ meinte ich einfach Politiker und Beamte im ganzen Land, ihrem Amt und den Anforderungen nicht gewachsen, die in einer Notsituation das Naheliegende (aber Falsche) tun und den Weg des geringsten Widerstands wählen werden. So geschehen und erlebt 2020–2022. Mit E-ID wird es bald einfacher und übergriffiger, die Bevölkerung zu überwachen und zu lenken, „gewünschtes“ Verhalten zu belohnen, und „unerwünschtes“ Verhalten zu sanktionieren.

Gerne lasse ich mich aber vom Gegenteil überzeugen. Ich hoffe, dass ich in fünf und zehn Jahren diesen Blog-Post lesen, und sagen kann, dass ich komplett falsch lag.

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Montag, 1. September 2025

Marvin, Lausanne, Ausschreitungen, hilflose (eher: willfährige) Politiker: Der einzige Kommentar, den man zu lesen braucht

Das neue Normal:

Les aventures de Tintin dans le quartier occupé de Prélaz. (Thibault Schaller, UDC)

Volltreffer, versenkt:

Zwar glauben Linke und Grüne, dass sie den Klimawandel mit neuen Gesetzen und Vorschriften ändern können, gegenüber der importierten Gewalt in den linken Städten sind sie hingegen machtlos.

Quelle: Berner Platte – die Kolumne aus dem Bundeshaus: Martin Luther King Jr. und die Unruhen in Lausanne: Alfred Heer über die Verklärung junger Krimineller durch die Medien, die den korrekten Migranten schadet.

Übrigens:

Dieser war vor einer Woche auf der Flucht vor der Polizei auf einem Roller ums Leben gekommen.

Quelle: Tod nach Flucht vor Polizei: Lausanne: Ein stiller Marsch für Marvin als Kontrapunkt

Als der Wahrheit verpflichteter Journalist hätte ich persönlich ja eher geschrieben:

Dieser war vor einer Woche auf der Flucht vor der Polizei bei einem selbstverschuldeten Unfall wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs auf einem gestohlenen Roller ums Leben gekommen.

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Montag, 11. August 2025

Hätte die Menschheit doch nur ein Mittel gegen Hitzewellen erfunden …

Heute auf der Frontseite des Tagi: «Die Gesellschaft passt sich nicht schnell genug an häufigere und intensivere Hitzewellen an»: Interview zu Hitzewellen: Warum hinkt die Deutschschweiz beim Hitzeschutz so weit hinterher, Frau Ragettli?

Meine Hypothese, dass das Wort „Klimaanlage“ in dem Artikel kein einziges Mal erwähnt wird, war nach dem „Durchbruch“ der Paywall rasch widerlegt:

Gehört der Einbau von Klimaanlagen auch dazu?

Derzeit konzentrieren sich die Gesundheitsdepartemente vor allem auf kurzfristige Massnahmen: Sie geben Empfehlungen zum richtigen Lüften oder zur Beschattung von Fenstern und veröffentlichen Listen zu kühlen Orten – beispielsweise Bibliotheken, Kirchen oder Einkaufszentren, die während Hitzewellen zugänglich sind. Aber auch die nachhaltige Kühlung von Gebäuden mit Klimaanlagen ist in Schulen und Gesundheitseinrichtungen ein wichtiges Thema, bei der verschiedene Akteure gefragt sind – etwa aus der Architektur, der Stadtplanung oder dem Gebäudemanagement.

Ich hatte (fälschlicherweise) vermutet, dass die vorherrschenden grün-ideologischen Scheuklappen dazu führten, dass man als um das akademische Überleben und Fortkommen kämpfende Wissenschaftlerin dieses pöhse, pöhse Wort auf keinen Fall in den Mund nehmen darf. Zum Glück half der Interview-führende Journalist etwas nach — doch wie heutzutage üblich ohne nachhaken, konfrontieren. „Abgehakt, nächstes Thema bitte“ so scheint es.

Doch man beachte das Herumgeeiere, das Ausweichen der Wissenschaftlerin: Anstelle „Institutionen per Gesetz dazu zwingen, innert drei Jahren die Raumtemperaturen von Ausbildungs- und Pflegeeinrichtungen im Sommer nicht über 25 Grad ansteigen zu lassen“ (natürlich einklagbar; was de facto einer Klimaanlagen-Pflicht entspricht), verweist man auf „Akteure“, doch was diese tun sollen, bleibt unklar.

Für mich ist klar:

  • Wird hier nicht gehandelt, opfert man weiterhin jährlich dutzende, wenn nicht hunderte, fragile Mitglieder unserer Gesellschaft einer grünen Ideologie, bewusst, mit voller Absicht.
  • Das Verbot*, Klimaanlagen in Wohnungen zu verbauen, wird bald fallen. Falls es am Wohnort kein Verbot gibt, so machen es einem die örtlichen Behörden doch unheimlich schwer, legal eine Klimaanlage zu verbauen. Die Lösung: Die Installation von Klimaanlagen soll nicht mehr bewilligungspflichtig gemacht werden, ähnlich wie bei Photovoltaik. Lasst den Markt spielen, und die Leute selbst entscheiden, ob sie im Schlafzimmer eine Klimaanlage benötigen, oder nicht (ich glaube die Antwort wird offensichtlich sein).
  • In fünf bis zehn Jahren verfügt die Mehrheit der Haushalte über Klimaanlagen; beginnend natürlich mit den Haushalten, die sich die Aufrüstung mit der Portokasse leisten können, nach und nach gefolgt von Mietwohnungen (bspw. bei Renovationen). In Hitzeregionen wird es für Vermieter ein Wettbewerbsvorteil sein, Klimaanlagen anzubieten. Die Leute werden mit ihren Schweisstüchern abstimmen.
  • Das Geniale daran: Der Solarstrom, der hierzulande auf Grund grotesker Überkapazitäten im Sommer über die Mittagszeit anfällt, und der derzeit keine Abnehmer findet (respektive mit Draufzahlen „verschuttet“ werden muss), kann dann direkt in diesen neuen, glänzenden Klimaanlagen verbraten werden. Dann fände die Geschichte mit den neuen Erneuerbaren doch noch ein Happy End.
  • Dieser Wandel wird einer der grössten Siege unserer Gesellschaft über die grünen Ideologen sein, welche uns seit Jahren zurück in die Steinzeit regulieren und besteuern wollen. Es wird den Wandel einläuten hin zu einem pragmatischen, effektiven Umgang mit dem Klimawandel (von wem und was er auch immer „gemacht“ wird).

Wir leben in einer Gesellschaft, die notabene vor nicht all zu langer Zeit gesunde Menschen — und insbesondere Kinder — einsperrte, Masken tragen liess, um die vulnerabelsten Bevölkerungsgruppe vor dem „sicheren“ Tod zu beschützen. Eine Gesellschaft, die kerngesunde Menschen de facto zu einer experimentellen Impfung zwang, welche — wenn nicht nutzlos — sogar gesundheitsschädigend sein konnte.

Im Kontext er Hitze hier scheint das Schicksal dieser Leute schnurzegal zu sein. Offenbar gibt es im Gegensatz zu Covid-19 und dem Reibach für Big Pharma keine „Big Air Conditioning Industry“ hinter der Hitzekatastrophe. Schade.

Wer etwas in der Welt herumgereist ist, wird wissen, dass in vielen Regionen der Welt Klimaanlagen eine Segnung Gottes entsprechen. Unvorstellbar, wie heutzutage ganze Länder ohne dieses Wunderding funktionieren könnten, und wie sie sich ihren Wohlstand ohne diese Anlagen hätten erwirtschaften können.

Beispielsweise Singapur, am Äquator liegend — welches oft als „Schweiz Asiens“ betitelt wird. Ohne Klimaanlagen wäre der Stadtstaat eine Fussnote in der Geschichte geblieben.

Lee Kuan Yew, founder of modern Singapore:

„Air conditioning was a most important invention for us, perhaps one of the signal inventions of history. It changed the nature of civilization by making development possible in the tropics. Without air conditioning you can work only in the cool early-morning hours or at dusk. The first thing I did upon becoming prime minister was to install air conditioners in buildings where the civil service worked. This was key to public efficiency.“

Singapore’s founding father thought air conditioning was the secret to his country’s success

Via: Hacker News

Nachtrag

Folgender Twitter-Thread wurde am 17. August 2025 veröffentlich, und schlägt in dieselbe Kerbe wie mein Artikel:

A thread about the class dynamics of air-conditioning in Europe. von @AndrewHammel1

Den ganzen Thread auf einer Seite liest man hier: Thread by @AndrewHammel1

[…] observed the pro-A/C contingent here go from total defeat to now being on the verge of victory.

[…] these are ordinary middle- and working-class Germans, who are just as pragmatic as people anywhere. The urban haute bourgeoisie — bureaucrats, public media executives, NGO employees, humanities grads, journalists, professors, lawyers, judges, etc. — are the holdouts.

[…] To these people, A/C is the ultimate American solution to a problem. Instead of accepting nature as it is, Americans use expensive, wasteful technology to artificially change the environment to fit their fat, lazy lifestyles.

These people regard these decisions not just as their personal lifestyle choices, but rather as a *model for all of society*.

But never once do they even mention air-conditioning, even when addressing „vulnerable populations“ such as schoolchildren or hospital patients or seniors. It’s almost as if these planning bureaucrats take a perverse pride in ignoring the elephant in the room.

Nachtrag 2

Jetzt kommt es ganz Dicke! Es scheint, als es die „Big Air Condition Industry“ offenbar doch gibt, und sie nun endlich entschieden hat, den DACH-Markt zu kapern:

Kommentar: Nur in Deutschland ist die Klimaanlage etwas Schlechtes

Clemens Gleich schält in seinem Kommentar die Schizophrenie der deutschen Moralapostel und selbsternannten Weltretter heraus, wenn er sagt:

[…] [Klimaanlage] „Das braucht man nicht und außerdem sind Klimaanlagen umweltschädlich.“ Gut beobachtet: So eine Meinung findet man in weiten Teilen Deutschlands, und sobald das Thema im öffentlichen Rundfunk thematisiert wird, springt sogleich die Redakteurin bei jeder Erwähnung von Klimatisierung ein mit „aber das ist schädlich!“.

Dieselben Menschen sagen dann zu viel größeren Klimakompressoren mit gigantisch viel mehr Betriebsstunden (der Wärmepumpe): „Das ist super, das ist die Zukunft der Gebäudetechnik im Neubau und im Bestand.“

Dieselbe Schizophrenie sieht man übrigens auch beim CO2-freien Atomstrom: Der ist nämlich offenbar nicht geeignet, um die Klimakatastrophe zu verhindern. Lieber die Kernkraftwerke abschalten, rückbauen, und dann mit CO2-Schleudern (Gas- und Kohlekraftwerken) ersetzen. Genau meine Logik.

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